Devisen
Draghi-Rede schickt Euro auf Talfahrt

Eine niedrigere Inflation in der Euro-Zone will EZB-Chef Draghi unter allen Umständen durchsetzen: Der Euro reagiert und fällt im Vergleich zum Dollar. Damit geht es weiter nach unten.
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FrankfurtDer Kurs des Euro hat seine jüngste Talfahrt fortgesetzt und ist zeitweise unter die Marke von 1,32 US-Dollar gefallen. In der Nacht zum Montag erreichte der Euro mit 1,3184 Dollar den tiefsten Stand seit September 2013. Im frühen Handel in Frankfurt erholte er sich ein wenig und wurde zuletzt mit 1,3206 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3267 (Donnerstag: 1,3262) Dollar festgesetzt. Damit haben die Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr gedrückt.

Im weiteren Handelsverlauf steht die Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimas im Blick. Angesichts des Handelskonfliktes mit Russland dürfte die befragten Unternehmen vor allem die Geschäftserwartungen skeptischer bewerten, erwarten Händler. Ein deutlicher Rückgang des wichtigen Frühindikators könnte den Euro weiter unter Druck setzen.

EZB-Chef Mario Draghi hatte am späten Freitagabend in Jackson Hole gesagt, er wolle die immer niedrigere Inflation in der Euro-Zone falls nötig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erhöhen und so die Wirtschaft ankurbeln.

Die Inflationsrate in den 18 Euro-Ländern war im Juli auf 0,4 Prozent gefallen und lag damit deutlich unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Für den August erwarten Analysten sogar nur 0,3 Prozent. Die EZB kommt am 4. September zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen.

Der Dollar erhielt Rückenwind von Spekulationen, dass die Federal Reserve im nächsten Jahr die Zinsen erhöhen wird, während die Europäische Zentralbank weitere wachstumsfördernde Maßnahmen signalisiert. Es bestehen erhebliche Unterschiede bei den Botschaften, die von der Fed kommen und die von der EZB kommen”, sagte Callum Henderson, Leiter Devisenanalyse weltweit bei Standard Chartered Plc in Singapur. „Das ist ein wichtiger, stützender Faktor für den Dollar gegenüber den G10-Währungen, insbesondere gegenüber dem Euro und dem Yen.”

Neue Konjunkturdaten aus Deutschland signalisierten eine schwächere Wirtschaft. So ist der Geschäftsklimaindex des Ifo- Instituts von 108 im Juli auf 106,3 im August gesunken. Der Wert lag unter den Erwartungen der Ökonomen, die einer Bloomberg- Umfrage zufolge eine Abschwächung auf 107 erwartet hatten.

Der Schweizer Franken stieg gegenüber dem Euro um 0,1 Prozent auf 1,2092 Franken. Gegenüber dem Dollar gab die eidgenössische Währung um 0,2 Prozent auf 91,60 Rappen nach. Der Yen zog zum Euro

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen: Draghi-Rede schickt Euro auf Talfahrt"

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  • Jeder macht was er will und keiner das was er soll ! Aber alle machen mit und das nur auf Kosten der Steuerzahler in ganz Europa.

  • "Eine niedrigere Inflation in der Euro-Zone will EZB-Chef Draghi unter allen Umständen durchsetzen"

    Ist das nicht ein Denkfehler? Erhöhen will er sie, nicht auf dem Rekordtief belassen. Oder?

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