Devisen
Euro-Anleger misstrauen dem Krisenmanagement

Ein Durchbruch auf dem kommenden EU-Gipfel ist für Anleger nicht mehr wahrscheinlich. Auch die milliardenschwere Konjunktur-Spritze kann nicht überzeugen. Der Euro fällt unter die Marke von 1,25 Dollar.
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FrankfurtMangelndes Vertrauen in das Krisenmanagement der Politik hat den Euro am Montag abrutschen lassen. Immer mehr Anleger rechnen vor dem EU-Gipfel am Donnerstag nicht mit einer schnellen und nachhaltigen Lösung der Euro-Krise. Die Gemeinschaftswährung fiel im Vergleich zum Freitagsgeschäft um rund einen US-Cent auf 1,2469 Dollar zurück, den niedrigsten Stand seit Mitte Juni.

"Dass es eine weitreichende Einigung in Richtung einer Fiskal- und Bankenunion geben wird, halten wir nicht für wahrscheinlich", prognostizierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf mit Blick auf den Gipfel. Auch die Commerzbank schrieb in einem Kommentar: Nur ein glaubwürdiger Fahrplan in Richtung Fiskalunion mit Gemeinschaftsemission könnte für einen stärkere Beruhigung der Märkte sorgen. "Wir sehen allerdings Enttäuschungspotenzial."

Im Mittelpunkt des Spitzentreffens dürfte das von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien angepeilte Konjunkturprogramm von bis zu 130 Milliarden Euro stehen. Darauf hatten sich die vier größten Wirtschaftsnationen der Euro-Zone am Freitag in Vorbereitung auf den Gipfel geeinigt. Allerdings sind mit den 120 bis 130 Milliarden Euro keine neuen staatlichen Mittel gemeint, sondern vor allem die Aktivierung privaten Kapitals und eine Umstrukturierung des bestehenden EU-Haushalts.

Maßnahmen, die das Quartett auf dem Gipfel vorschlagen wollen, sind die Aufstockung des Kapitals der Europäischen Investitionsbank und die Einführung sogenannter Projektbonds - gemeinsame Anleihen, mit denen bestimmte Projekte mit Hilfe von privatem Kapital finanziert werden sollen.

Bei den Investoren stießen das auf wenig Begeisterung. Auch dieses Programm dürfte Europa nicht wieder auf Kurs bringen, sagte ein Händler. Dafür sei der Betrag schon viel zu klein.

Die Skepsis vieler Anleger machte sich zum Wochenauftakt auch bei spanischen und italienischen Bonds bemerkbar. Die Kurse fielen, entsprechend zog die Rendite an - ein Ausdruck des Misstrauens in die Zahlungsfähigkeit dieser Länder. Zehnjährige spanische Papiere wurden mit 6,532 Prozent nach 6,350 Prozent am Freitag verzinst. Ihre italienischen Pendants rentierten bei 5,914 Prozent (Freitag: 5,807 Prozent). Beliebt waren dagegen die gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen, deren Rendite auf 1,478 Prozent zurückging. Am Freitag hatten sie noch bei 1,578 Prozent gelegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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