Devisen
Euro-Anleger nach Griechenland-Einigung vorsichtig

Bei Euro-Anlegern herrscht weiter Vorsicht, auch nach der Einigung im Schuldenstreit: Der Euro notiert am Montagmorgen kaum verändert. Die deutsche Geldwirtschaft sieht im schwachen Euro bisher kein gravierendes Problem.
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Frankfurt/BerlinNach der Einigung im griechischen Schuldenstreit haben sich die Euro-Anleger am Montag zurückgehalten. Die Gemeinschaftswährung notierte kaum verändert bei 1,1377 Dollar. Die Euro-Finanzminister hatten sich am Freitagabend mit Athen auf die Verlängerung des aktuellen Programms um vier Monate bis Ende Juni verständigt.

Voraussetzung ist allerdings, dass die linke Regierung eine Liste konkreter Reformprojekte einreicht, die die bisherigen Vorgaben des Programms erfüllt. Laut Analysten herrscht daher noch Vorsicht am Markt. „Der Deal ist an viele Konditionen geknüpft“, sagt Shinichiro Kadota von Barclays. Kurz nach der Einigung war der Euro am Freitag bis auf 1,1430 Dollar gestiegen, bröckelte im Laufe des Abends dann aber schnell wieder ab.

Den jüngsten Euro-Verfall hält die deutsche Geldwirtschaft für kein gravierendes Problem. „Ich sehe diese Euro-Schwäche nicht als eine große Katastrophe“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Montag dem Deutschlandfunk. Er würde diese Situation nicht überbewerten.

Er räumte aber ein: „Es wäre schon gut, wenn der Euro sich langfristig wieder stabilisieren würde.“ Kemmer sprach sich nachdrücklich dafür aus, Griechenland trotz des andauernden Streits um seine Schulden in der Euro-Zone zu halten. „Griechenland muss unbedingt drinnenbleiben“, sagte er. Würde ein Mitgliedsland aus dem Währungsraum ausscheiden, drohe ein Glaubwürdigkeitsproblem für die europäische Gemeinschaftswährung.

Was das starke Absinken des Außenwertes des Euros binnen eines Jahres um fast 20 Prozent angeht, so ist das nach Kemmers Worten in erster Linie Folge der starken US-Konjunktur. „Es ist mehr eine Dollar-Stärke als eine Euro-Schwäche“, führte er dazu aus.

Auch die extrem lockere Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trage dazu bei. Er gehe davon aus, dass diese Phase sehr niedriger Zinsen auch noch für einige Zeit andauere. „Das ist eine Ausnahmesituation, wie wir sie nicht haben wollen.“

Die angekündigten Anleihen-Käufe der EZB hält Kemmer für falsch. „Wir halten das Ankaufprogramm nach wie vor nicht für gut“, sagte er. Deflationsgefahren sehe er anders als die EZB nicht. Die Politik sei mit Strukturreformen gefordert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wem nützt die Griechenland-Krise im Euro eigentlich?

    Die EZB hat die Zinsen auf einen Wert nahe Null gedrückt. Das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass Länder wie Deutschland und Frankreich jährlich einen etwa so hohen Liquditätsbedarf am Kapitalmarkt haben wie die restliche Eurozone zusammen.

    Musste früher Deutschland für eine aufgenommene Anleihe beispielsweise einen Kupon von 7 % an den Anlager zahlen, dann wurden bei einer 10-jährigen Anleihe pro 100 € 10 x 7 € bis zur Endfälligkeit zusätzlich zum Rückzahlungsbetrag fällig. Der deutsche Staat zahlte also in Summe 170 € für 100 € zurück. Das ist heute anders.Statt der 170 € sind es lediglich noch 100 € für 100 €. Das entpricht einem Schuldenschnitt, um das gleiche Vokabular wie in Punkto Griechenland zu nutzen, von mehr als 40 %.

    Reden wir also nicht weiter vom Schuldenschnitt z.G. von Griechenland. Bleiben wir fair und reden künftig für den Schuldenschnitt z.G. der Eurostaaten, bewerkstelligt von einer willfährigen EZB.

    Wenn man die "Kinder" beim korrekten Namen nennen würde, könnte man darüber reden. Aber die Tatsache, dass die Bürger an der Nase herumgeführt werden, dass ist ein Skandal.

    Es ist auch nicht verwerflich, dass unsere Abgeordneten dies alles als "alternativlos" bezeichnen ist auch nicht schlimm, schlimm ist lediglich, dass sie ihre Plätze in einem so komplizierten Prozess nicht räumen und Fachleuten Platz machen oder wenigstens auf sie hören. Muss da ausgerechnet eine AfD aufstehen, um dem Volk zu erklären, dass sie von der herrschenden Klasse ausgeräubert werden?

    Wir brauchen eine effiziente Verteidigung der Demokratie. die Griechen haben es uns vorgemacht und die gesamte Politihierarchie aus ihren Ämtern getrieben. Wir können und wir wollen uns nicht länger den verantwortungslosen Politiker leisten. Die Diäten und Pensionen gehören "alternativlos" auf den Prüfstand. Soviel Parteiendiktatur ist nicht gut für Deutschland.

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