Devisen
Euro-Anleger spekulieren auf die EZB

Die Anleger am Devisenmarkt spekulieren auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank in der nächsten Woche. Der Eurokurs erhält eine Atempause und hält sich über der Marke von 1,35 Dollar.
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FrankfurtDie Auflösung von Wetten auf weiter fallende Kurse haben dem Euro am Freitag Auftrieb gegeben. „Es gibt Spekulationen auf eine Ausweitung der EZB-Anleihekäufe, die die Stimmung aufhellen“, sagte ein Börsianer. Angesichts ihres anhaltenden Misstrauens in das europäische Krisenmanagement nutzten einige Investoren aber die Gelegenheit zum Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung und bremsten damit deren Kursanstieg. Am Rentenmarkt war ebenfalls Entspannung zu spüren, die Händlern zufolge unter anderem von erneuten Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) getragen wurde.

Der Euro kostete am Nachmittag 1,3555 Dollar, nach 1,3460 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Staatsanleihen gingen auf 6,792 beziehungsweise 6,447 Prozent zurück, teilte der Datenanbieter Tradeweb mit.

Die der französischen und österreichischen gaben auf jeweils etwa 3,5 Prozent nach. Die Prämien für Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps, CDS) gingen ebenfalls leicht zurück. So kostete die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen per CDS dem Datenanbieter Markit zufolge nur noch 550.000 Euro, 15.000 Euro weniger als am Vortag.

Positiv werteten Börsianer das Sparprogramm des neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti. Zweifel blieben aber bestehen. „Sie können ankündigen, was immer sie wollen. Ob sie es auch durchsetzen können, ist eine andere Frage“, sagte einer von ihnen. „Angesichts der trüben Wachstumsaussichten glaube ich nicht, dass irgendeiner der angekündigten Sparpläne aufgeht.“ Bereits Montis Vorgänger Silvio Berlusconi hatte zahlreiche Maßnahmen angekündigt, ohne diese umzusetzen.

Fortschritte bei der Sanierung seien aber kein Garant für steigende Anleihekurse, warnte Zinsstrategin Lyn Graham-Taylor von der Rabobank. „Es ist symptomatisch, dass ein Land dies nicht mehr beeinflussen kann. Spanien steht fundamental gesehen besser da als Italien, dennoch betrachtet der Markt die Risiken als gleich hoch.“

Vor diesem Hintergrund wurden die Stimmen nach einer deutlichen Lockerung der europäischen Geldpolitik und unlimitierten Anleihekäufen immer lauter. „'Es gibt keine Stabilität ohne Sparsamkeit' hören wir nur allzu oft in Frankfurt“, schrieben die Analysten der Societe Generale in einem Kommentar. Das reiche angesichts der trüberen Konjunkturaussichten und der Probleme am Bondmarkt aber nicht mehr aus. „Ein vernünftiger Hilfsplan ist notwendig. So lange die EZB sich sträubt, wird die Flucht in die Qualität anhalten.“ Gemeint damit ist der seit Wochen anhaltende Run auf die als sicher geltenden Bundesanleihen.

Einer Umfrage zufolge geht knapp die Hälfte der Befragten Analysten davon aus, dass sich die EZB dem Druck beugen und die Geldpolitik lockern wird. Diese Börsianer wiederum tippten darauf, dass diese im Börsenjargon „Quantitative Easing“ genannten Maßnahmen bis spätestens März 2012 kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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