Devisen
Euro erreicht 1,45-Dollar-Marke

Der Euro erklimmt immer neue Rekordstände. Die Währung profitiert von steigenden Leitzinsen und einer Schwäche des Dollar. Allerdings könnte die Schuldenkrise einiger europäischer Staaten den Kurs bald wieder belasten.
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DüsseldorfDer Eurokurs ist am Mittwochmorgen leicht gestiegen und pendelt nun um die Marke von 1,45 Dollar. Am Mittag lag die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,4490 Dollar knapp unter dem Vortagshoch von 1,4519 Dollar.

Erstmals seit 15 Monaten nimmt der Euro die 1,45-Dollar-Hürde; das letzte Mal erreichte die Gemeinschaftswährung den Wert im Januar 2010, bevor sich die Schuldenkrise in Europa weiter zugespitzt hatte. Die gestrigen und heutigen Gewinne sind jedoch keine Ausnahme. Bereits in den letzten Monaten hatte der Euro-Kurs stark zugelegt. Im laufenden Jahr schaffte er relativ zum Dollar bereits ein Plus von 7,83 Prozent.

Vier Faktoren lassen sich derzeit ausmachen, die den Euro treiben. Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke nannte eine „breit angelegte Dollar-Schwäche“ als Hauptgrund für die Kursgewinne des Euro. Außerdem habe der Euro bei 1,45 Dollar offenbar eine wichtige Marke im Optionshandel erreicht, was weitere Zukäufe der Investoren auslöst. Rückenwind bekommt die Gemeinschaftswährung auch durch die jüngste Erhöhung des Leitzinses durch die EZB auf 1,25 Prozent. Und: „Der Euro wird unterstützt von der Erwartung höherer Zinssätze“, sagte Camilla Sutton, Chef-Währungsstrategin bei Scotia Capital Markets in Toronto. Von der amerikanischen Federal Reserve Bank wird hingegen keine schnelle Erhöhung des Leitzinses erwartet, gleiches gilt für die Bank of England. Der Euro profitiert von den unterschiedlichen Zinserwartungen. „Nichts scheint den Euro derzeit aufzuhalten“, sagte ein Frankfurter Devisenhändler. „Die Leute am Markt berichten von Käufen asiatischer Notenbanken, die ihre bei Interventionen erhaltenen Dollar in Euro tauschen.“ Viele Experten gehen von einem weiteren Vormarsch des Euro aus.

Auch Nachrichten, wonach China sein Bekenntnis zum Kauf europäischer Anleihen bekräftigte, stützen den Euro, sag Sutton. China wolle verstärkt spanische Schuldtitel kaufen und bei der Finanzierung der spanischen Bankenbranche helfen, heißt es aus spanischen Regierungskreisen. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao habe keine Summen genannt, sagten Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters nach Gesprächen von Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero in Peking. Wen habe aber versichert, weiterhin spanische Staatsanleihen zu kaufen. Der Renditeaufschlag für zehnjährige spanische Staatsanleihen zur Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit fiel auf 171 Basispunkte. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Februar.

Neben Staaten wie Griechenland und Portugal gehört auch Spanien zu den Sorgenkindern im Euroraum. Finanzmarktexperten rechnen schon länger damit, dass Spanien Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm benötigen könnte. Durch umfangreiche Reformen ist die Lage am spanischen Anleihemarkt aber im laufenden Jahr deutlich entspannter geworden.

Allerdings sind die Aussichten für die europäische Gemeinschaftswährung nicht nur rosig. Sollten neue Hiobs-Botschaften zur Schuldenkrise in Europa kommen, könnte das den Eurokurs belasten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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