Devisen
Euro erreicht neuen Rekordwert

Die Erwartung einer US-Leitzinssenkung in der kommenden Woche hat den Euro am Donnerstag den zweiten Tag in Folge auf einen neuen Rekordwert zum Dollar getrieben.

dpa-afx FRANKFURT. In der Spitze kletterte die europäische Gemeinschaftswährung bis auf 1,3 927 Dollar. Der Vortagesrekord von 1,3 915 Dollar wurde damit leicht übertroffen. Bis zum späten Nachmittag gab der Euro allerdings wieder leicht nach und kostete zuletzt 1,3 896 Dollar. Auch die Europäische Zentralbank hatte den Euro-Referenzkurs am Mittag mit 1,3 897 (Mittwoch: 1,3 885) Dollar auf einen neuen Höchststand festgesetzt. Der Dollar kostete 0,7 196 (0,7 202) Euro.

Ein Ende der Rekordjagd zeichnet sich nach Einschätzung von Experten nicht ab. Die leichte Erholung des Dollar sei nur eine "kleine Korrekturbewegung" nach dem jüngsten Höhenflug des Euro, sagte Ian Stannard von BNP Paribas. Die Stimmung bleibe für den Dollar weiterhin negativ. Auch Ökonom Lothar Hessler vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt bleibt für den Euro weiterhin positiv gestimmt: Der Blick bleibe auf die eher psychologische Marke von 1,40 Dollar gerichtet.

Entscheidende Triebfeder für den Euro bleibt aus Sicht von Devisenexperte Björn Bender von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) der schwindende Zinsvorteil der USA gegenüber der Eurozone. Am Markt werde fest mit einer Zinssenkung der US-Notenbank gerechnet. Mangels neuer Konjunkturdaten sei die leichte Erholung des Dollar technisch bedingt.

Während am Markt angesichts der jüngsten Finanzmarktturbulenzen eine Leitzinssenkung der US-Notenbank erwartet wird, hält sich die EZB nach Einschätzung von Experten nach wie vor alle Optionen offen. Die EZB will weitere Informationen und Daten abwarten, bevor sie Schlüsse für künftige geldpolitische Schritte zieht. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Neueinschätzung von Risiken in den vergangenen Wochen hätten zu einer erhöhten Unsicherheit geführt, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der EZB. Die EZB werde alle Entwicklungen "sehr genau" beobachten.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sprach sich in einem Interview angesichts des Rekordhochs des Euro unterdessen für Interventionen aus. Die Binnennachfrage sei in Deutschland nach wie vor schwach, der Aufschwung werde im Wesentlichen vom starken Export getragen. "In dieser Situation ist alles, was sich nachteilig für den Export auswirkt, ein Problem, und dazu zählt der steigende Euro", sagte Bofinger der "Berliner Zeitung" (Donnerstag). "Steigt der Kurs weiter, sollte die Politik über Stützungskäufe zu Gunsten des Dollar nachdenken."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,68 525 (0,68 370) britische Pfund , 159,52 (158,14) japanische Yen und auf 1,6 415 (1,6 422) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 704,50 (706,00) Dollar gefixt.

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