Devisen
Euro leidet unter trübem Wirtschaftsklima

Nach einem Hoch am Morgen drückten schwache Konjunkturdaten den Euro wieder runter. Auch die Renditen für spanische und italienische Anleihen zogen erneut an. Der schwache Dollar dämpfte die Abwärtsbewegung.
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FrankfurtUnerwartet schwache Konjunkturdaten aus der Euro-Zone haben dem Euro am Donnerstag zugesetzt. Die Gemeinschaftswährung, die im frühen Handel auf den höchsten Stand seit drei Wochen geklettert war, fiel auf bis zu 1,3199 Dollar nach 1,3221 am Vorabend in New York. Händlern zufolge stießen vor allem Hedge-Fonds den Euro ab.

Nach Angaben der EU-Kommission trübte sich das Wirtschaftsklima im April ein - das entsprechende Barometer fiel um 1,7 auf 92,8 Punkte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem minimalen Rückgang auf 94,2 Zähler gerechnet. „Diese Daten sind einer der Gründe, warum der Euro weiterhin so anfällig aussieht, denn die Schuldenkrise betrifft die gesamte Euro-Zone“, sagte Ian Stannard, Devisenstratege bei Morgan Stanley.

Am Rentenmarkt zogen zugleich die Renditen für italienische und spanische Anleihen auf 5,66 und 5,89 Prozent an. Anleger setzten lieber wieder auf die als sicher geltenden Bundesanleihen. Der Bund-Future legte um 69 Ticks auf 140,89 Punkte zu. Sorge bereitete den Investoren zudem die politische Unsicherheit, da mit Frankreich, Griechenland und den Niederlanden gleich in drei Ländern des Währungsraums mögliche Regierungswechsel anstehen.

Im Blick hatten Rentenanleger zudem die Auktion italienischer Anleihen mit einer Laufzeit von fünf und zehn Jahren am Freitag. Das von der Schuldenkrise geplagte Land will bei der Emission bis zu 6,25 Milliarden Euro einsammeln. Bei einer Platzierung von Geldmarktpapieren mit sechsmonatiger Laufzeit im Volumen von 8,5 Milliarden Euro musste Italien am Donnerstag mit durchschnittlich 1,772 Prozent so hohe Zinsen zahlen wie seit Januar nicht mehr.

Die Abschläge beim Eurokurs hielten sich in Grenzen, weil auch der US-Dollar keinen guten Tag erwischte. Die US-Währung geriet unter Druck, nachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke im Anschluss an den Zinsentscheid am Mittwochabend angekündigt hatte, dass die Notenbank zwar vorerst auf neue Anschubhilfen für die US-Konjunktur verzichte. Bei Bedarf stehe die Fed jedoch bereit, der Wirtschaft weiter unter die Arme zu greifen.

Ein drittes Anleihen-Aufkaufprogramm der Zentralbank (QE3) wird mit dem Anwerfen der Notenpresse gleichgesetzt und schwächt daher in der Regel die US-Währung. Der Dollar-Index, der gegenüber einem Korb anderer Währungen berechnet wird, sank um bis zu 0,2 Prozent. Das britische Pfund erreichte mit 1,6208 Dollar zum Greenback den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der Euro kostete in der Spitze 1,3263 Dollar.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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