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Euro stoppt Höhenflug

Gewinnmitnahmen beenden den rasanten Anstieg des Euro. Im Vergleich zum Dollar notiert die europäischer Währung bei rund 1,42 Dollar. Tendenziell bleibt der Dollar aber unter Druck.

HB FRANKFURT. Der Eurokurs ist im frühen Handel leicht gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,4155 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7064 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,4220 (Freitag: 1,4098) Dollar festgesetzt.

Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem der Euro nach einer Reihe von besser als erwartet ausgefallen Konjunkturdaten am Montag noch auf ein Jahreshoch 1,4246 Dollar gestiegen war. Die an den Märkten wieder gestiegene Risikoneigung hatte dem Euro zuletzt stark gestützt. Der US-Dollar hatte in der Krise immer wieder als "sicherer Hafen" gedient.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen das stark steigende Defizit im amerikanischen Staatshaushalt und die Anleihekäufe durch die US-Notenbank unter deren Präsident Ben Bernanke. "Wenn die Investoren ihr Vertrauen verlieren, dass die Regierung die Wirtschaft bald wieder in Gang bringen kann, gerät die Federal Reserve immer mehr unter Druck, Anleihen aufzukaufen, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen", warnt David Woo, Chef-Währungsstratege von Barclays Capital. Dies könnte die Sorgen nähren, dass die Staatsschuld letztlich durch Inflation entwertet werden wird und die Zinsen nach oben treiben, was wiederum die Federal Reserve zu noch mehr Anleihekäufen nötigen würde - ein möglicher Teufelskreis.

Auch der Auslöser für den jüngsten Schwächeanfall des Dollars hängt mit den Staatsfinanzen zusammen. Die Warnung der Rating-agentur Standard & Poor?s, sie könnte das britische Staatsanleihenrating senken, lässt befürchten, dass ein ähnlicher Schritt auch für die USA kommen könnte.

Thomas Stolper, Chefstratege von Goldman Sachs, sieht sich in seiner Erwartung eines sich abschwächenden Dollars bestätigt, auch wenn er viele der vorgebrachten Argumente nicht teilt. Das Inflationsrisiko hält er für "ziemlich weit hergeholt." Es könne zwar sein, dass die Zentralbanken es mit der Geldmengenausweitung übertreiben würden. Fürs Erste sei aber das größere Risiko, dass sie nicht genug oder nicht das Richtige täten, um die Deflationsgefahr abzuwenden und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Auch geht Stolper davon aus, dass der Dollar seinen Status als sicherer Hafen nicht eingebüßt hat. Darin kann er sich durch die Kursentwicklung bestätigt fühlen. Kursverluste bei Aktien aufgrund der Verunsicherung durch die nordkoreanischen Atom- und Raketentests gingen an diesem Tag einmal mehr mit einer deutlichen Aufwertung des Dollars einher.

Goldman Sachs erwartet aus einem ganz traditionellen Grund eine anhaltende Schwäche des US-Dollars: wegen der (relativen) Konjunkturentwicklung. In den USA seien die ungenutzten Produktionskapazitäten größer als in Europa, so dass die US-Notenbank länger als die Europäische Zentralbank und die Bank von England warten würden, bis sie ihre Zinsen wieder anheben. Nach Schätzung der OECD beträgt die sogenannte Output-Lücke in den USA sieben Prozent, in Europa etwa sechs Prozent. Außerdem habe es zuletzt einige Anzeichen gegeben, dass es in Europa mit der Wirtschaft etwas besser laufen könnte als bisher gedacht und in den USA etwas schlechter.

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