Devisen
Euro unter Druck

Ernüchternde Konjunkturdaten aus Deutschland haben Ängste vor einer EZB-Zinssenkung geschürt. Als Folge daraus sank der Euro-Kurs auf einen Wert von 1,3358 Euro. Aktuell steht der Euro auf der Kippe. Alles ist möglich.
  • 0

FrankfurtEnttäuschende deutsche Konjunkturdaten haben am Mittwoch Spekulationen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik geschürt. Der Euro fiel am Mittwoch den dritten Tag in Folge zurück und war bei 1,3358 Dollar 0,1 Prozent niedriger. Zeitweise war er bei 1,3349 Dollar auf den niedrigsten Stand zum Dollar seit dem 11. November abgesackt. Belastet wurde er nicht zuletzt durch schwache Konjunkturzahlen aus Deutschland, wo der Auftragseingang in der Industrie im Juni um 3,2 Prozent zurückfiel und damit so deutlich wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Auslöser der erneuten Abwertung war der überraschende Rückgang der Auftragseingänge für die deutsche Industrie. „Eine Stagnation der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal dürfte kaum noch zu vermeiden sein“, sagte Volkswirt Carsten Brzeski von der ING Bank. „Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet.“ Darüber werfe die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Schatten voraus, betonte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Wer wolle denn Wetten auf steigende Euro-Kurse eingehen, wenn das Risiko einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bestehe, fragte sie. Die Notenbanker wollen ihre Entscheidung am Donnerstag bekanntgeben.

Der Dollar erhielt zudem Rückenwind von Anzeichen, dass die US-Wirtschaft an Fahrt gewinnt. Der Greenback näherte sich gegenüber einem Korb aus 10 wichtigen Währungen dem höchsten Stand seit fast neun Monaten. Der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Richard Fisher, sagte, dass seine Kollegen bei der US-Notenbank allmählich eine straffere geldpolitische Haltung einnehmen.

Außerdem steigerten die zunehmenden Spannungen bezüglich der Ukraine die Attraktivität von US-Vermögenswerten. Polen warnte angesichts der Verstärkung russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine vor einer möglichen Invasion. „Eine Reihe von starken US-Daten haben dem Dollar geholfen”, sagt Imre Speizer, Marktstratege bei Westpac in Auckland. „Es gab gestern Abend auch eine gute Dosis von Risikoaversion, die dem Dollar ebenfalls geholfen hat.”

Der Schweizer Franken war zum Euro bei 1,2156 Franken wenig verändert. Gegenüber dem Dollar gab die eidgenössische Währung um 0,1 Prozent auf 90,97 Rappen nach. Der Yen stieg gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um 0,3 Prozent auf 136,83 Yen und war zum Dollar 0,2 Prozent fester bei 102,40 Yen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen: Euro unter Druck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%