Devisen

George Soros profitiert nicht von Pfund-Crash

Das britische Pfund ist nach dem Votum für den EU-Abschied Großbritanniens abgestürzt. Genau davor hatte Starinvestor George Soros gewarnt – doch selbst vom Crash profitiert hat der 85-Jährige wohl nicht.
Update: 27.06.2016 - 08:43 Uhr

Britischer Finanzminister: Marktschwankungen werden andauern

Britischer Finanzminister: Marktschwankungen werden andauern

DüsseldorfDer durch seine Wetten gegen das Pfund im Jahr 1992 berühmt gewordene Investor George Soros hat vor dem Brexit-Entscheid in Großbritannien nicht gegen die Währung gewettet. Das erklärt sein Sprecher. Er habe vor dem Referendum sogar auf das Pfund gesetzt. Die Währung hat durch das Brexit-Votum massiv an Wert verloren.

Im asiatischen Handel sackte das Pfund am Montagmorgen etwas weiter ab und notiert um 8.15 Uhr deutscher Zeit bei 1,3391 Dollar. Noch am Freitagabend hatte die britische Währung bei knapp über 1,50 Dollar notiert.

Auch im britischen Leitindex dürfte es am Montag wieder zu Verlusten kommen. Brokerhäuser erwarten beim "Footsie" ein Minus von rund zwei Prozent. Die FTSE-100-Futures liegen 1,9 Prozent tiefer.

Der britische Finanzminister George Osborne rechnet nach dem Brexit-Votum mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. Sein Land könne die schwierige Herausforderung aber meistern, sagte Osborne am Montagmorgen. „Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt“, erklärte der Minister in seiner ersten Rede seit dem Brexit-Votum. Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertig zu werden.

Investor Soros hatte wenige Tage vor dem EU-Referendum in Großbritanniens vor einem massiven Sturz des britischen Pfunds gewarnt, sollte das "Leave"-Lager gewinnen. Ein „Schwarzer Freitag“ - ein Kurssturz an den Börsen - wäre die Folge, hatte er in einem Gastbeitrag für die Londoner Zeitung „The Guardian“ geschrieben. „Zu viele glauben, dass ein Votum zum EU-Austritt keine Folgen auf ihre persönliche Finanzlage haben wird. Das ist Wunschdenken.“

Viele Briten würden „die wahren Kosten“ eines Brexits schwer unterschätzen, hatte Soros betont. Ein EU-Austritt hätte auch „sofortige und dramatische Auswirkungen auf Finanzmärkte, Investitionen, auf Preise und Jobs“. Das Pfund könnte im Falle eines Brexit mehr als 20 Prozent fallen, prognostizierte er - und kam damit der tatsächlichen Wechselkursentwicklung am Freitag erstaunlich nahe.

Die Verwerfungen an den Märkten würden größer und zerstörerischer ausfallen, als am „Schwarzen Mittwoch“, dem 16. September 1992. An diesem Tag hatte Soros im großen Stil gegen das britische Pfund gewettet, das daraufhin um gut 15 Prozent einbrach. Diesmal sei Soros aber "long" gewesen, so sein Sprecher. Das heißt, er habe nicht auf fallende Kurse gesetzt.

Das sind die größten Kursverlierer

PERSIMMON PLC REGISTERED SHARES LS -,10

WKN
ISIN
GB0006825383
Börse
L&S

-0,77 -2,54%
+29,55€
Chart von PERSIMMON PLC REGISTERED SHARES LS -,10
Persimmon
1 von 14

Unter den 100 Titeln im Londoner Leitindex FTSE100 erwischte es Persimmon am ärgsten. Der größte Haus- und Wohnungsbauer der Insel verlor bis zu mehr als 30 Prozent seines Börsenwertes. Schuld an den massiven Einbußen, die die gesamte Branche überziehen, ist der drohende Einbruch der Immobilien in London und anderen Teilen Großbritanniens. Insgesamt rutschte der Branchenindex 16 Prozent ab, während der Footsie sieben Prozent in die Tiefe fiel.

TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01

WKN
ISIN
GB0008782301
Börse
L&S

+0,06 +2,51%
+2,23€
Chart von TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01
Taylor Wimpey
2 von 14

Nur knapp dahinter folgte die Nummer zwei der Branche, Taylor Wimpey. Vor allem Eigenheimbauer, die auf hochpreisige Immobilien und auf Objekte im Großraum London setzten, würden unter der Entscheidung der Briten zum Ausstieg aus der EU am stärksten leiden, schrieben die Analysten von der Investmentbank Liberum. Doch es traf nicht nur die zweite Reihe der Branche wie Redrow oder Bovis Homes, sondern auch die Platzhirsche Persimmon, Taylor Wimpey und Barratt.

INTERNAT. CONS. AIRL. GROUP SA ACCIONES NOM. EO -,50

WKN
ISIN
ES0177542018
Börse
L&S

+0,10 +1,38%
+7,48€
Chart von INTERNAT. CONS. AIRL. GROUP SA ACCIONES NOM. EO -,50
International Consolidated Airlines Group
3 von 14

Im nicht weniger tiefroten Bereich hinter den Häuslebauern fand sich International Consolidated Airlines wieder. Der in London gelistete spanische Mutterkonzern der British Airways verlor ein knappes Fünftel seines Börsenwertes. Obwohl mit den Airlines Iberia und Vueling sowie der irischen Aer Lingus international aufgestellt, nehmen die Spanier ihre Gewinnprognose zurück. Zwar werde weiterhin mit einem Ergebnisplus für das laufende Geschäftsjahr gerechnet, doch dieses werde wegen des Brexit geringer ausfallen als bisher in Aussicht gestellt.

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

+0,24 +0,84%
+29,39€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Lufthansa
4 von 14

Im Abwärtssog der IAG gehört die Deutsche Lufthansa zu den größten Verlierern im Dax. Die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU sind für die Lufthansa nach Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr aber überschaubar. Als Europäer sei er enttäuscht, sagte Spohr. „Für uns als größter europäischer Luftfahrtkonzern sind die Auswirkungen mit einem Anteil von fünf Prozent am Gesamtumsatz beherrschbar.“ Trotz der Beschwichtigungen gingen die Anleger im hitzigen Marktumfeld lieber auf Nummer sicher. Die Kranichlinie verlor mehr als zehn Prozent.

TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01

WKN
ISIN
GB0008782301
Börse
L&S

+0,06 +2,51%
+2,23€
Chart von TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01
Lloyds Banking Group
5 von 14

Ganz knapp hinter Baulöwen und Airlines rangierte der erste Vertreter der Branche, die heute wie keine andere im Fokus stand: Die Finanzindustrie. Zeitweise verloren selbst die größten Institute des Landes nahezu ein Viertel ihres Börsenwertes. So lief die Lloyds Banking Group am Nachmittag immer noch ganze 20 Prozent unter Vortagsniveau. “Völlig unklar ist, welche Bank in welchem Ausmaß von den ebenfalls noch unklaren mittelfristigen Auswirkungen des Brexit betroffen sein wird“, schrieben die Analysten der DZ Bank in einem Kurzkommentar.

ROYAL BK OF SCOTLD GRP PLC,THE REGISTERED SHARES LS 1

WKN
ISIN
GB00B7T77214
Börse
L&S

+0,03 +0,95%
+3,37€
Chart von ROYAL BK OF SCOTLD GRP PLC,THE REGISTERED SHARES LS 1
Royal Bank of Scotland
6 von 14

Die Royal Bank of Scotland befand sich über weite Strecken des Handels im freien Fall. Aktionäre zeigten sich bei den Geldinstituten im Brexit-Schock. Firmen aus der Finanzbranche hängen besonders von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Experten erwarten wegen des Brexit nun eine Rezession in Großbritannien und eine zumindest kurzzeitige Abschwächung der Konjunktur in der EU. „Insgesamt dürfte sich das Geschäftsumfeld für Banken verschlechtern“, schrieben die DZ-Bank-Analysten. Dies führe zu einer schlechteren Kreditqualität und höheren Risikokosten. Zudem sei noch völlig unklar, welche Kosten etwa durch die Verlagerung von Geschäften auf bestimmte Banken zukämen und welche offenen Währungspositionen eventuell tiefe Löcher in die Bilanzen reißen könnten.

Unicredito

WKN
ISIN
IT0004781412
Börse
P1006

Chart von Unicredito
Unicredit
7 von 14

Aus denselben Gründen brachen überall in Europa die Kurse von Banken in einem Maße ein, wie man es von Bluechips nicht gewohnt ist. Die größten zehn Verlierer im gemeinsamen Leitindex der europäischen Währungsunion, dem Euro-Stoxx-50, kamen aus diesem Sektor. Der europäische Bankenindex gab bis zu 17,4 Prozent nach. Die italienische Großbank Unicredit etwa stürzte um 21 Prozent und fand sich auf einem Rekordtief wieder. Ganz vorne mit dabei: Spanische Werte. Sowohl die Banco Santander, als auch Bilbao Vizcaya verbrannten ein Fünftel ihrer Marktkapitalisierung. Die iberischen Papiere zusätzlich belasteten die schwierigen Neuwahlen in Spanien am Wochenende.

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