Devisen
George Soros profitiert nicht von Pfund-Crash

Das britische Pfund ist nach dem Votum für den EU-Abschied Großbritanniens abgestürzt. Genau davor hatte Starinvestor George Soros gewarnt – doch selbst vom Crash profitiert hat der 85-Jährige wohl nicht.

DüsseldorfDer durch seine Wetten gegen das Pfund im Jahr 1992 berühmt gewordene Investor George Soros hat vor dem Brexit-Entscheid in Großbritannien nicht gegen die Währung gewettet. Das erklärt sein Sprecher. Er habe vor dem Referendum sogar auf das Pfund gesetzt. Die Währung hat durch das Brexit-Votum massiv an Wert verloren.

Im asiatischen Handel sackte das Pfund am Montagmorgen etwas weiter ab und notiert um 8.15 Uhr deutscher Zeit bei 1,3391 Dollar. Noch am Freitagabend hatte die britische Währung bei knapp über 1,50 Dollar notiert.

Auch im britischen Leitindex dürfte es am Montag wieder zu Verlusten kommen. Brokerhäuser erwarten beim "Footsie" ein Minus von rund zwei Prozent. Die FTSE-100-Futures liegen 1,9 Prozent tiefer.

Der britische Finanzminister George Osborne rechnet nach dem Brexit-Votum mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. Sein Land könne die schwierige Herausforderung aber meistern, sagte Osborne am Montagmorgen. „Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt“, erklärte der Minister in seiner ersten Rede seit dem Brexit-Votum. Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertig zu werden.

Investor Soros hatte wenige Tage vor dem EU-Referendum in Großbritanniens vor einem massiven Sturz des britischen Pfunds gewarnt, sollte das "Leave"-Lager gewinnen. Ein „Schwarzer Freitag“ - ein Kurssturz an den Börsen - wäre die Folge, hatte er in einem Gastbeitrag für die Londoner Zeitung „The Guardian“ geschrieben. „Zu viele glauben, dass ein Votum zum EU-Austritt keine Folgen auf ihre persönliche Finanzlage haben wird. Das ist Wunschdenken.“

Viele Briten würden „die wahren Kosten“ eines Brexits schwer unterschätzen, hatte Soros betont. Ein EU-Austritt hätte auch „sofortige und dramatische Auswirkungen auf Finanzmärkte, Investitionen, auf Preise und Jobs“. Das Pfund könnte im Falle eines Brexit mehr als 20 Prozent fallen, prognostizierte er - und kam damit der tatsächlichen Wechselkursentwicklung am Freitag erstaunlich nahe.

Die Verwerfungen an den Märkten würden größer und zerstörerischer ausfallen, als am „Schwarzen Mittwoch“, dem 16. September 1992. An diesem Tag hatte Soros im großen Stil gegen das britische Pfund gewettet, das daraufhin um gut 15 Prozent einbrach. Diesmal sei Soros aber "long" gewesen, so sein Sprecher. Das heißt, er habe nicht auf fallende Kurse gesetzt.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
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