Devisen
Hoffnung für Athen lässt Euro steigen

Die Anleger am Devisenmarkt erwarten eine Zustimmung zum neuen Rettungspaket für Griechenland. Der Euro stieg daraufhin auf 1,32 Dollar. Nach der Zustimmung erwarten Investoren einen weiteren Schub.
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FrankfurtGut gelaunte Investoren haben am Montag auf positive Nachrichten aus Brüssel gewettet und den Euro in Richtung 1,33 Dollar gehievt. Sie setzten darauf, dass die Euro-Gruppe neue Finanzhilfen für Athen genehmigen und eine Staatspleite dadurch zumindest vorerst abwenden wird. Zudem honorierten die Marktteilnehmer optimistische Aussagen der Bundesbank zu den Perspektiven der deutschen Wirtschaft und werteten eine neuerliche Lockerung der chinesischen Geldpolitik als wachstumsfördernd und damit auch positiv für den Euro.

Peking senkte die Mindestreserve-Anforderung an Banken um 50 Basispunkte auf 20,5 Prozent. Dadurch wird Geld für Kredite an Unternehmen und Privatleute frei. Investoren hoffen nun auf neue Investitionen und damit neuen Schwung in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

„Man spürt so eine Art Durchatmen“, sagte ein Devisenhändler. „Jeder hofft, dass jetzt zu Griechenland etwas Greifbares kommt, und dass das eigentlich nur positiv sein kann. Sobald eine Einigung da ist, könnte der Euro sehr schnell über 1,3350 Dollar steigen.“

Zunächst legte die Gemeinschaftswährung bis auf 1,3276 Dollar zu und notierte damit gut einen US-Cent höher als im späten Vorwochengeschäft. Am Rentenmarkt wurden die als sicher geltenden Bundesanleihen abgestoßen; der richtungsweisende Bund-Future gab bis zu 54 Ticks nach auf 137,88 Zähler. Die zuletzt nur mit spitzen Fingern angefassten Staatsanleihen klammer Euroländer waren dagegen gefragt, was deren Renditen drückte. Zehnjährige italienische Papiere rentierten mit 5,47 (Freitagabend: 5,59) Prozent. Die spanischen Pendants warfen 5,18 (5,28) Prozent ab.

„Man hat den Eindruck, dass sich die Politiker jetzt auch selber ordentlich Druck machen“, sagte ein Rentenhändler mit Blick auf die Verhandlungen über das griechische Hilfspaket. „Die wollen Griechenland ja nicht untergehen lassen, und von daher steigt derzeit auch insgesamt die Zuversicht, dass die Schuldenkrise nicht in einer Sackgasse enden wird.“

„Die sich abzeichnende Einigung der Euro-Finanzminister auf ein neues Rettungspaket für Griechenland hat den Eurokurs beflügelt“, sagte Christian Apelt, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Finanzminister der Eurozone trafen sich am Montaf in Brüssel, um über das Paket zu entscheiden. Auch wenn noch nicht alle Einzelheiten geklärt seien, hoffe der Devisenmarkt darauf, dass das Thema Griechenland zumindest für eine gewissen Zeit in den Hintergrund tritt. „Der Eurokurs könnte jetzt mittelfristig weiter Auftrieb erhalten, falls es in anderen Krisenländern wie Italien, Spanien und Portugal ruhig bleibt und die Konjunktur sich wieder erholt“, sagte Apelt.

Die Senkung des Mindesreservesatzes durch die chinesische Notenbank am Wochenende habe die Risikoneigung an den Märkten zusätzlich gestärkt und so den Euro gestützt, sagte Apelt. Die weitere Lockerung der chinesischen Geldpolitik dürfe die Konjunktur stützen und habe damit gut in das positive Bild gepasst. Insgesamt war der Handel laut Apelt aber dünner als sonst, da in Deutschland in vielen Regionen Karneval gefeiert wurde und in den USA wegen einem Feiertag die Börsen geschlossen blieben.

Zuversicht verbreitete in ihrem Monatsbericht auch die Bundesbank mit Blick auf die deutsche Konjunkturentwicklung. „Die Aussichten haben sich zuletzt wieder spürbar aufgehellt“, heißt es darin. Das Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal um 0,2 Prozent und damit erstmals seit knapp drei Jahren geschrumpft. Die schwächere Weltwirtschaft dürfte die Produktion der exportabhängigen Industrie zu Jahresbeginn zwar nochmals belasten, erwartet die Bundesbank. Dem stehe aber eine robuste Binnennachfrage gegenüber. Die Neuverschuldung werde 2012 bei etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts verharren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • mein tip: sell in May and go away! Die Realität will im Moment keiner mehr sehen - bis die Augen nicht mehr geschlossen gehalten werden können - dürfte so Mitte des Jahres der Fall sein, wenn PIIGS heutige Planzahlen in den Orkus werfen müssen.

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