Devisen

Iran droht mit Euro-Ausverkauf

Ein möglicher Kursschwenk in Teheran könnte die europäische Gemeinschaftswährung weiter unter Druck setzen. Nach einem Zeitungsbericht möchte Iran seine Währungsreserven umschichten und 45 Milliarden Euro verkaufen. Ob andere Golfstaaten dem Beispiel folgen, steht noch nicht fest. In diesem Falle könnte dem Euro eine neue Zerreißprobe drohen.
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Irans President Mahmud Ahmadinedschad: Schichtet Iran seine Devisenreserven um? Quelle: dpa

Irans President Mahmud Ahmadinedschad: Schichtet Iran seine Devisenreserven um?

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WARSCHAU. Iran will angesichts der Euro-Schwäche und zum Schutz des Wertes seiner Währungsreserven 45 Mrd. Euro verkaufen. Teherans Zentralbank (CBI) werde die Operation bis zum 22. September abschließen und die erste von drei jeweils 15 Mrd. Euro umfassenden Tranchen bereits jetzt gegen Dollar und Gold eintauschen. Das meldete die staatlich kontrollierte Zeitung "Jaam-e Jam" unter Berufung auf Notenbankkreise.

Die Zentralbank wollte diese Meldung gestern auf Anfrage nicht kommentieren. Allerdings hatte CBI-Gouverneur Mahmud Bahmani vorige Woche eine Abwendung vom stark gefallenen Euro angedeutet: "Wenn der Euro weiter fällt und der Dollar steigt, müssen wir die Zusammensetzung unserer Währungsreserven überprüfen." Auch die Ölexporteure des Landes seien bereits aufgefordert worden, nicht mehr in Euro zu handeln. Das sei auch bereits den Hauptkunden Japan und China mitgeteilt worden.

Insgesamt gehe es darum, den Euro-Anteil der iranischen Devisenreserven von derzeit 55 auf 15 bis 20 Prozent zu senken. Dieser Schwenk weg vom Euro wäre ein Bruch der Direktive von Staatschef Mahmud Ahmadinedschad: Der radikale Präsident hatte erst im September angeordnet, keine Geschäfte mehr in Dollar zu machen, das sei "wertloses Papier". Iran hatte sich bereits seit 2007 aus politischen Gründen infolge des wachsenden Drucks aus den USA vom Dollar abgewandt. Das habe die Devisenreseven um umgerechnet fünf Mrd. Dollar erhöht, berichtete Bahmani kürzlich. 85 Prozent seines Ölhandels wickle Teheran bisher über andere Währungen ab als dem Dollar.

Da Iran wegen der US-Sanktionen kaum mehr Dollar-Überweisungen abwickeln kann, halten Experten die Zeitungsmeldung für "erstaunlich", wie ein politischer Berater aus dem Umfeld einer Zentralbank eines Golf-Staats dem Handelsblatt gestern sagte. Nicht einmal seine Herkunft dürfe genannt werden, weil die Euro-Spekulationen derzeit "sehr sensibel sind". Er stellte zugleich auch die Aussage in dem "Jaam-e Jam"-Artikel infrage, dass "auch die Zentralbanken aus anderen Golfstaaten eine Abkehr vom Euro vorbereiten".

Der Berater sagte: "Es gibt ja kaum Alternativen zu Euro und Dollar. Andere Währungen haben nicht genügend Liquidität und in vielen Ländern gibt es noch Kapitalkontrollen." Zudem sei die Meldung verwunderlich, da Iran bisher nie Umschichtungen seiner Devisenreserven bekannt gegeben habe. Auch von Reuters und dem "Wall Street Journal" befragte Analysten meldeten Zweifel an Irans Kursschwenk an.

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19 Kommentare zu "Devisen: Iran droht mit Euro-Ausverkauf"

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  • Das ist doch grosser Käse...

    Wer kündigt schon ernst gemeinte Verkäufe im grossen Stil an?

    Man macht es oder man lässt es.

    ich denke eher, dass diese Meldung dem Zweck dient, noch billiger in den Euro zu kommen...

    Gruss aus Ostfriesland

  • Auf seinen Senf hat niemand gewartet. Die zwei Euro aus iran wird EU auch noch gern verkraften; Komiker.

  • Geben Sie hier jetzt alles wieder was irgendwelche staatlich oder privat gesteuerten Medien im jeweilige eigenen interesse publizieren?
    Wenn Ja - ich hätte da Einiges was ich gerne verbreitet hätte!
    Nein?
    Was soll dann diese Meldung? Versucht man etwa künstlich das Niveau anzupassen?

    Pardon - Aber das ist ja wohl in my humble opinion - ein ganz schwacher und zugleich schlechter Stil, wenn man dieses Wort dazu überhaupt verwenden kann.

    Noch so 1-2 Meldungen und dann muss ich wohl meine Favoritenliste säubern.
    Ende meiner persönlichen Meinung. Mal gespannt, ob Sie diese veröffentlichen.

  • [11] tuk

    UNVERANTWORTLiCH...so etwas abzudrucken!
    Ganz meiner Meinung. Ausführicheres: Siehe meinen Kommentar von eben. Falls gedruckt!

  • iran droht mit Euro-Ausverkauf? Droht? Also wirklich. Nicht daß ich lache. So ein armes land. seit ewig unter unserwer und unseren Freundens Sanktionen leidend, ja kann so ein Land drohen? herrschaften da hilft nur eines: Sofort ernsthafte Sanktionen einleiten! basta, Schluss aus mit dem Mullah-Staat.
    P.s. 1: falls der Schuss wieder mal nach hinten los geht, will ich nicht der jenige sein, der diesen Rat erteilt hat.
    P.s. 2: Man bedenke, dass man nicht alles allen sagen muss. falls alles so ist wie hier beschrieben, hätte man es besser verschweigen müssen. bei uns sind ja die Dinge so geregelt, dass man selbst Präsidentenämtern verlieren kann - zum Rucktritt gezwungen werden kann - wenn man anfängt alles allen mitzuteilen. Die Tatsache, dass wir in Afghanistan und andereswo, wenn nicht ausschliesslich dann bestimmt hauptsächlich unseren Finanzen wegen, tätig sind wissen wir alle. Aber muss man das denn ausposaunen? na also.

  • Richtig so...iran hat es Verstanden, dass Europa nur ein schwacher Euro hilft...

  • Je nach berechnung liegt ein fairer Wert zwischen 1,15 und 1,25 zum Dollar. Wegen der Zerstrittenheit der Euro-Länder kann aber der Wert wesentlich tiefer fallen. Eine Trendwende wird kommen, wenn die EU eine glaubhafte Vision für den Euro-Raum präsentiert. Dann wird auch Ahmadinedschad wieder auf Euro umstellen.

  • UNVERANTWORTLiCH...so etwas abzudrucken!

  • Psychologie der Stimmung...
    Prestige Verluste zu erleiden könnte mir vorstellen das Ahmadinedschad es durchziehen würde. im Stande,ihm es zuzumuten wäre jedenfalls einen Schaden zu Provozieren dadurch
    €uro ist Richtung Abgrund verurteilt den Rest die beerdigung füllt er sich zuständig.
    .
    Auch wenn es nicht durchziehen würde der Markt ist sehr nervös (Psycho Terror) und die Richtung des €uros würde den Kanalabgrund dadurch Erleichtung zu landen.

  • Da haben wohl mal wieder ein paar Devisenhändler einen Journalisten geschmiert, um dank einer Zeitungsente ein paar schnelle Millionen zu machen.

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