Devisen
Italien-Sorgen verstärken Flucht in den Franken

Schweizer Franken sind beliebt wie noch nie. Der Grund: die Sorge vor Italiens Schulden lässt den Euro zur Schweizer Währung auf ein neues Rekordtief sinken. .
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ZürichSorgen vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien machen den Schweizer Franken für viele Investoren so attraktiv wie noch nie. Der Euro sank am Montag zur Schweizer Währung auf ein neues Rekordtief von 1,1695 Franken. Am Freitag war die Einheitswährung bei 1,1930 Franken aus dem Markt gegangen. Am 24. Juni war der Euro auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise schon einmal bis auf 1,1804 Franken gefallen. Nun hielt auch diese Marke nicht mehr und es kam nach Händlerangaben zu aus Optionsgeschäften herrührenden weiteren Euro-Abgaben, die die Talfahrt beschleunigten. Als der Sturm dann vorbei war, erholte sich die Einheitswährung wieder auf Kurse um 1,1720 Franken. Devisenexperten der Zürcher Kantonalbank hielten dennoch ein weiteres Absacken des Euro bis auf 1,1585 Franken für möglich. Nach Ansicht eines Devisenexperten von ING könnte mit dem Ergebnis des Banken-Stresstests im Laufe der Woche die nächste Bewährungsprobe auf den Euro zukommen.

Der starke Franken macht der Schweizer Industrie zunehmend Kopfzerbrechen. „Die Franken-Entwicklung ist eine große Belastung für unsere Wirtschaft“, sagte der Präsident der Schweizerische Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, in einem Interview der „SonntagsZeitung“. Er gehe davon aus, dass in den nächsten Monaten bei den Exportfirmen „deutlich negative Spuren“ sichtbar würden und es zu einer Abschwächung der gesamten Wirtschaft komme. Wegen des steigenden Frankenkurses müssen viele Schweizer Exporteure entweder im Ausland ihre Preise erhöhen oder tiefere Gewinne in Kauf nehmen, wenn sie ihren Umsatz halten wollen.

Der SNB sind die Hände gebunden. Milliarden-Interventionen gegen den Anstieg des Frankens im letzten Jahr hatten den Währungshütern den Vorwurf eingebracht, Volksvermögen nutzlos zu verschleudern. Solange der starke Franken die Preisstabilität nicht gefährde, werde die SNB nichts unternehmen, erklärte der SNB-Chef am Wochenende weiter. Maßnahmen wie etwa Kapitalverkehrskontrollen seien ohnehin nutzlos. „Die Derivate- und Devisenmärkte sind global“ und könnten mit auf die Schweiz beschränkten Maßnahmen nicht beeinflusst werden.

Einziger Trost für die Schweizer ist, dass der starke Franken Importe billiger macht. Aber da zeigte eine in der vergangenen Woche vorgelegte Untersuchung des Wirtschaftsministeriums in Bern, dass Importeure die Vorteile des starken Frankens nur zögernd an die Verbraucher weitergeben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen: Italien-Sorgen verstärken Flucht in den Franken"

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  • Wollen wir Deutschen dem immer-geilen Silvio auch noch seinen bailout liefern ?

    Das er im Bett angeblich besser performen soll also in der Wirtschaft sei dahin gestellt.

    Ich meine, wir sollten ihn in seinem eigenen Saft vergammeln lassen.

    NO MORE BAILOUTS OF ANY KIND !

    P.S.: Fuck You Silvio.

  • also pablito irgendwas bringst du da durcheinander.
    Gerade die Flucht in den SF macht es der Schweiz möglich,ohne Zinszahlungen für Geldanlagen, Millarden
    in die Schweiz zu transferieren.Auch macht die Kapitalschwemme es möglich, daß schweizer Unternehmen oder Bauherren und private Kreditnehmer mit niedrigst-
    zinsen investieren können.Die Schweiz profitiert also ungemein an diesen transfers.

  • wann wird die schweiz endlich so klug und fürht nebst 0% zinsen für auslandkapital minuszinsen ein?
    es kann doch nicht sein, dass die spekulation über sinkenden euro und dollar, die gesammte schweizerexportwirtschaft zerstört und lanfristig schädigt!

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