Devisen nach Fed-Entscheidung
Doping für den Dollar

Die Leitzinserhöhung der Fed war eigentlich absehbar. Dennoch hat es die US-Notenbank geschafft, die Märkte zu überraschen: Der Dollar steigt auf ein 14-Jahres-Hoch – und dürfte bald eins zu eins zum Euro stehen.
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FrankfurtDer Dollar findet zu alter Stärke zurück. Nach der Fed-Zinsentscheidung am Mittwochabend fiel der Euro zeitweise unter den Wert von 1,05 Dollar. Am Donnerstagmittag hat der Dollar ein 13-Jahres-Hoch zur europäischen Gemeinschaftswährung erreicht. Ein Euro war zwischenzeitlich nur noch 1,0406 Dollar wert. Große Banken wie Morgan Stanley, Citi oder die Deutsche Bank rechnen schon für das kommende Jahr damit, dass der Dollar auf Parität klettern wird. Heißt: Für einen Euro gäbe es dann nur exakt einen Dollar.

Seit Wochen nähert sich der Dollar dieser Marke an. Dass er sie nun bald knacken könnte, liegt nicht zuletzt an den Aussichten, die die US-Notenbank für ihre künftige Geldpolitik geliefert hat. Die Fed hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins wie erwartet zum zweiten Mal in einem Jahr um 0,25 Prozent auf die Spanne von 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben. Überraschend war aber die Aussicht auf drei weitere Zinsschritte im kommenden Jahr. Bislang wurde allenfalls mit zwei weiteren Schritten gerechnet.

„Als Folge dieser Fed-Entscheidung wird der Euro-Dollar-Kurs die Parität wesentlich schneller erreichen als wir es bislang gedacht haben und unsere prognostizierten Marken von 0,97 und 0,95 Dollar schon eher erreichen“, sagt Hans Redeker, Leiter der Devisenstrategie bei der US-Investmentbank Morgan Stanley. Schon im zweiten Quartal 2017, also zwischen April und Juni, könnte es soweit sein.

Und auch laut den Future-Kursen für US-Staatsanleihen scheint der Markt der US-Notenbank zu glauben. Ein Drittel der Marktteilnehmer rechnet bereits mit den in Aussicht gestellten drei Schritten. „Werden sie durch Zahlen (Konjunkturdaten) und Fakten (expansive Fiskalpolitik) untermauert, verfestigen sich die Markterwartungen und der Dollar wird entsprechend steigen“, kommentiert Antje Praefcke von der Commerzbank. Anders ausgedrückt: Die jüngste Fed-Entscheidung wirkt wie Doping für den ohnehin schon starken Dollar.

Während der aus europäischer Sicht schlechte Wechselkurs für Verbraucher USA-Reisen weiter verteuert, hat die Fed europäischen Unternehmen mit einem starken US-Geschäft ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk beschert. Denn je stärker der Dollar ist, desto mehr werden die Gewinne, die sie in Amerika erzielen, auch wert. So hatte etwa der Flugzeugbauer Airbus schon einmal vor zwei Jahren errechnet, dass sein Gewinn mit jedem Cent, den der Euro gegenüber dem US-Dollar abwertet, um 100 Millionen Euro steigt. Damals gab es für einen Euro noch mehr als 1,30 Dollar.

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Warum der Euro länger schwach bleibt

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  • Gerade haben die den 500 Euro-Schein abgeschaftet, schon müssen sie den 1000
    Euro-Schein einführen, damit man sich in ein paar Monaten eine Semmel kaufen kann.

  • Es wird für die Systemmedien zunehmend schwieriger dem Michel das Bild der Wohlstandsinsel der Glückseligen - Deutschland zu vermitteln, wo man alle naslang Berichte von prekären Arbeits-und Lebensverhältnissen in den USA, insbesondere von den GEZ-Medien, serviert bekommt, wenn der Dollarkurs 1:1 ist. Dann wird nämlich offensichtlich, dass es selbst dem amerikanischen Prekariat (Mindestlohn US$10,80) wesentlich besser geht als dem Deutschen (Mindestlohn €8,75)

  • Hat VW eigentlich schon Rückstellungen für den Euroverfall gebildet oder angemessen gehedget, hinsichtlich seiner Strafen? Sonst wird es bei einigen 10000 Entlassungen nicht bleiben

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