Devisen
Ölpreis stützt norwegische Krone

Keine Währung in Westeuropa ist so vom Ölpreis abhängig wie die norwegische Krone. Norwegen ist der fünftgrößte Öl-Exporteur der Welt, und die gesamte Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes hängt am Preis des schwarzen Goldes. Immerhin machen die Öl- und Gasausfuhren rund 60 Prozent der Gesamtexporte des Landes aus.

OSLO. Mit dem Beginn der internationalen Finanzkrise sank die Nachfrage nach Rohöl. Der Ölpreis stürzte ab, die norwegische Krone verlor gegenüber Dollar und Euro deutlich an Boden. Zwischen August und Dezember vergangenen Jahres mussten für einen Euro über 25 Prozent mehr in norwegischen Kronen gezahlt werden. Nachdem sich die Anzeichen für eine Erholung der Weltkonjunktur verdichten , hat sich auch die norwegische Krone erholt: Bis zu diesem Sommer machte sie fast die Hälfte der Verluste gut. Derzeit bezahlt man rund 5,83 Kronen für einen Dollar.

Geteilte Meinungen

In welche Richtung sich der Kurs mittelfristig bewegen wird, hängt von der Ölpreisentwicklung ab. Und in dieser Frage sind sich auch Experten nicht einig: Während der angesehene amerikanische Öl-Fachmann Philip Verleger den Preis für ein Barrel am Jahresende nur noch bei rund 30 Dollar sieht, glaubt Thina Margrethe Saltvedt, Analystin bei Nordea, an einen Anstieg auf etwa 75 Dollar für ein Barrel Nordsee-Öl. Derzeit müssen für die Qualität Brent etwa 67 Dollar gezahlt werden.

Steigender Leitzins

Für Jenni Mannent, Währungsexpertin bei dem schwedischen Institut Handelsbanken, ist noch ein Grund für die Stärkung der Krone entscheidend: "Norwegen wird möglicherweise das erste Industrieland sein, das die Leitzinsen wieder erhöht", sagt sie. Zunächst behielt die norwegische Zentralbank diese Woche ihren Leitzins bei 1,25 Prozent. Doch Zentralbankchef Svein Gjedrem gab zu, dass man bereits über eine Erhöhung gesprochen habe. Analystin Mannent rechnet mit einer ersten Zinserhöhung im kommenden Monat. Insgesamt glaubt sie, dass die norwegische Krone noch Potenzial nach oben hat: In einem halben Jahr müsse man 8,45 Kronen für einen Euro zahlen, in einem Jahr nur noch 8,30 Kronen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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