Devisen
Pfund und Franken unter Druck

Pfund und Franken sind am Mittwochvormittag von Anlegern geschmäht worden. Das Pfund fiel zum Dollar auf den tiefsten Stand seit acht Monaten. Der Franken geriet unter Druck, weil über die Anhebung der Kursuntergrenze zum Euro spekuliert wurde.
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FrankfurtDevisen-Anleger haben am Mittwochvormittag einen Bogen um die Währungen Großbritanniens und der Schweiz gemacht. Das Pfund Sterling fiel zum Dollar auf den tiefsten Stand seit acht Monaten, nachdem aus Sitzungsprotokollen der Bank of England (BoE) hervorging, dass die Notenbanker für neue Anleihenkäufe bereitstehen. Die Schweizer Valuta geriet wegen Spekulationen auf eine Anhebung der Kursuntergrenze des Franken zum Euro unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte zum Dollar bei 1,3677 nach 1,37 Dollar in New York. Mit Spannung warteten Investoren auf das Ende der Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve, die sich am Abend zu möglichen Maßnahmen gegen die schwächelnde US-Wirtschaft äußern will.

Das Pfund sank auf 1,5611 Dollar von zuvor 1,5687 Dollar. Zum Yen verzeichnete das Pfund mit 119,24 Yen den niedrigsten Stand seit Januar 2009. Der Euro stieg zugleich auf ein Tageshoch von 87,42 Pence. Aus den Protokollen der Notenbank-Sitzung von Anfang September geht hervor, dass mit Adam Posen zwar nur ein britischen Notenbanker für eine weitere Lockerung der Geldpolitik gestimmt hat. Die meisten Mitglieder das Rates hielten es aber für wahrscheinlich, dass der Ankauf neuer Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt nötig sein könnte.

Der Euro legte zum Franken in der Nacht auf Mittwoch bis auf 1,2320 Franken zu und notierte zuletzt bei Kursen um 1,2215 Franken. Händler in Asien sprachen von Franken-Verkäufen zur Vermeidung von Verlusten, nachdem die Marken von 1,2250 und 1,23 Franken durchbrochen worden waren.

Bereits am Dienstagnachmittag war von Marktteilnehmern spekuliert worden, die Schweizerische Nationalbank (SNB) stehe davor, ihre Euro-Kursuntergrenze auf 1,25 Franken anzuheben. Die SNB lehnte eine Stellungnahme ab. Die Notenbank hatte vor zwei Wochen angesichts der für die Schweizer Wirtschaft bedrohlichen Frankestärke einen Minimum-Wechselkursziel von 1,20 Franken festgesetzt und angekündigt, diese Marke falls nötig mit Devisenkäufen in unbeschränktem Ausmaß durchzusetzen. Allerdings betrachtet die SNB den Franken auch bei 1,20 noch als hoch bewertet. Eine schwächere heimische Währung würde der exportabhängigen Schweizer Industrie und dem Finanzdienstleistungssektor Entlastung bringen.

Für einen Dollar wurden nach einem zwischenzeitlichen Hoch von 0,8982 Franken zuletzt Kurse um 0,8930 Franken bezahlt.

Bei der für 20.15 Uhr anberaumten Entscheidung der US-Notenbank erwarten die meisten Experten weder einen Zinsschritt noch eine dritte Runde des geldpolitischen Lockerung. Stattdessen wird damit gerechnet, dass die Fed ihre Anleihebestände in längere Laufzeiten umschichtet. Dadurch würde sie die langfristigen Zinsen drücken. Vorteil eines solchen, als „Operation Twist“ bezeichneten Vorgehens wäre, dass Hypotheken für Hausbauer billiger würden, was den darbenden Immobilienmarkt wiederum ankurbeln könnte. Zugleich könnten Firmen zu verstärkten Investitionen angeregt werden.

Analysten rechnen nicht damit, dass sich der Dollar vor der Bekanntgabe deutlich nach oben bewegen wird. Der Dollar-Index notierte 0,2 Prozent fester. Zum Yen fiel der Greenback mit 76,11 Yen dagegen fast auf ein neues Rekordtief. Die Yen-Stärke könnte nach Expertenmeinung erneut die Bank of Japan auf den Plan rufen, die mit Eingriffen am Devisenmarkt wiederholt versucht hat, die heimische Exportwirtschaft zu schützen.

Am Rentenmarkt notierte der Bund-Future sieben Ticks im Plus bei 137,51 Punkten. Die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten mit 1,797 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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