Devisen
Schuldendrama zwingt Euro in Defensive

Die Unsicherheit um die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Griechenland macht Marktteilnehmer nervös. Auch am Rentenmarkt herrscht Skepsis. Griechische Staatsanleihen sind unter Verkaufsdruck.
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Frankfurt

Das griechische Schuldendrama hat den Euro am Montag wieder in die Defensive gezwungen. Die Unsicherheit darüber, ob die nächste Tranche aus dem Hilfspaket von EU und IWF überhaupt ausgezahlt wird, ließ die ohnehin nervösen Marktteilnehmer noch vorsichtiger agieren. Der Euro fiel zurück auf 1,4280 Dollar.

Am Freitagnachmittag hatte es die Gemeinschaftswährung noch über 1,43 Dollar geschafft; allerdings nicht aus eigener Kraft sondern dank schwacher US-Konjunkturdaten. "Es ist eine Art Tauziehen zwischen dem Euro und dem Dollar", sagte Währungsstratege Niels Christensen von Nordea. "Der Dollar war zuletzt belastet von enttäuschenden US-Daten. Der Markt zögert aber wegen der Unsicherheit über die nächste Kreditzahlung für Griechenland, den Euro wieder über die Hochs von Mitte Mai bei 1,4345 Dollar zu hieven."

Auch am Rentenmarkt war die Skepsis greifbar. Die zehnjährigen griechischen Papiere gaben um 77 Ticks auf 52,25 Zähler nach und rentierten mit 16,916 Prozent. Die Rendite der als sicherer Hafen gefragten zehnjährigen Bundesanleihe schaffte es nicht wieder über drei Prozent. Commerzbank-Stratege Rainer Guntermann geht davon aus, dass die Rendite sogar noch weiter sinken wird. Erst "wenn das griechische Problem einmal gelöst ist und die nächste EZB-Zinserhöhung greifbar wird", werde sich die Rendite wohl wieder über drei Prozent etablieren, schätzt Guntermann.

Die derzeit unsichere Auszahlung der nächsten Kredittranche an Griechenland hängt an der Prüfkommission von IWF, EZB und EU. Nur wenn deren Abschlussbericht Athen bescheinigt, seine Hausaufgaben für die Haushaltssanierung gemacht zu haben, ist der IWF bereit zu zahlen. Einen Bericht des "Spiegel", wonach das Land alle seine Haushaltsziele verfehle, dementierten Griechenland und IWF zwar umgehend. Aber die
Zweifel blieben groß.

Der Abschlussbericht soll bis Ende der Woche vorgelegt werden. Sollte das Geld nicht fließen, droht Griechenland binnen Wochen die Pleite. "Man hat keine Ahnung, wie das ausgeht", sagte Rentenstratege Piet Lammens von KBC. "Der IWF kann diesen Bericht nicht vorlegen, bevor es nicht einen Plan B gibt. Kriegt man das binnen einer Woche hin? Da habe ich meine Zweifel."

Obwohl die Zeit drängt, können sich die involvierten Geldgeber nach wie vor nicht auf eine Richtung einigen. Am Markt wächst die Sorge vor Ansteckungen, und so wurden auch spanische, portugiesische und italienische Papiere verkauft. Die Volumina blieben im gesamten Renten- und Devisengeschäft angesichts geschlossener Märkte in Großbritannien und den USA allerdings gering.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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