Devisen
Schuldenkrise belastet Euro

Die Lage in den Schuldenstaaten Portugal und Irland bleiben im Fokus der Anleger und sorgen nicht gerade für Kauflaune. Immerhin: Die Versteigerung griechischer Papiere ist solide verlaufen. Der Euro notiert wieder oberhalb der Marke von 1,39 US-Dollar.
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HB FRANKFURT. Spannung an den Devisenmärkten: Die Probleme einiger hoch verschuldeter Länder der Euro-Zone haben am Dienstag die Anleger am Devisen- und Rentenmarkt verunsichert. Zwar holten der Euro und die Anleihen Portugals und Irlands bis zum Nachmittag wieder auf. Laut Börsianern könnte die Sorge um die Lage in den Peripherie-Ländern der Euro-Zone in den nächsten Tagen aber für weitere Turbulenzen sorgen. Somit gingen viele Anleger auf Nummer sicher und kauften deutsche Staatsanleihen.

Der Bund-Future stieg um bis zu 44 Ticks auf 130,95 Punkte, bröckelte bis zum Nachmittag aber auf 130,60 Zähler ab. Der Euro notierte am frühen Nachmittag mit 1,3930 Dollar einen US-Cent über dem am Morgen erreichten Tagestief von 1,3824 Dollar. Dabei profitierte die Gemeinschaftswährung offenbar von Nachfrage aus dem Nahen Osten, wie Händler in London erklärten.

„Der Markt scheint nach Kursen zu suchen, bei denen er Euro kaufen kann“, erklärte ein Händler in Frankfurt. „Wir haben heute morgen eine scharfe Kehrtwende beim Euro gesehen, die einige Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt hat“, erklärte ein Händler. An den fundamentalen Faktoren ändere sich allerdings nicht, und die sprächen derzeit gegen den Euro.

Händler erklärten, nach der Entscheidung der US-Notenbank (Fed) für eine weitere geldpolitische Lockerung in der letzten Woche hätten viele Investoren ihre Dollar-Short-Positionen aufgelöst, mit denen sie auf einen fallenden Kurs der US-Währung gesetzt hatten. Zugleich sind schon seit etwa drei Wochen die Anleihen Portugals, Irlands und anderer Peripherieländer unter Druck. „Die Sprengkraft einer solchen Konstellation ist nicht zu unterschätzen“, warnen Börsianer.

Nachdem sich im Frühjahr die Märkte auf die Lage in Griechenland konzentriert hatten, rückten nun die Probleme Irlands und Portugals in den Fokus. Die zehnjährigen Staatspapiere Portugals rutschten um bis zu 109 Ticks auf 84,77 Zähler ab, die Irlands um bis zu 25 Ticks auf 79,27 Prozent. Irland muss inzwischen über acht Prozent Zinsen zahlen, Portugal rund sieben Prozent. Die Rendite der für die Euro-Zone richtungsweisenden deutschen Papiere liegt bei lediglich rund 2,4 Prozent. Mit dem steigenden Renditeabstand erhöhen sich auch die Versicherungskosten gegen einen Zahlungsausfall der Länder.

Am Markt lag der Fokus am Dienstag vor allem auf Portugal, da das Land am Mittwoch Anleihen über bis zu 1,25 Mrd. Euro mit Laufzeiten bis 2016 und 2020 versteigern will. Die Ratingagentur Fitch hatte am Montagabend das Rating für vier portugiesische Banken gesenkt und dies mit der weiter großen Abhängigkeit dieser Banken von der Liquiditätsvergabe der EZB begründet. Die Versteigerung von sechsmonatigen Papieren Griechenlands ging nach Einschätzung von Börsianern am Dienstag glatt über die Bühne. Die Regierung in Athen nahm an den Kreditmärkten 390 Mio. Euro auf. Sie musste dafür zwar mehr Zins als noch im Oktober zahlen, doch daher war das Interesse an den Papiere auch höher.

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