Devisen
Spekulationen geben Euro Auftrieb

Die Hoffnung, Europa werde das Konzept zur Lösung der europäischen Schuldenkrise überarbeiten, hat den Euro am Montag beflügelt. Auch der Ifo-Index sorgte für Entspannung am Devisenmarkt.
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FrankfurtSpekulationen über weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Schuldenkrise haben dem Euro am Montag Auftrieb gegeben. Für positive Stimmung sorgte außerdem ein besser als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex. Allerdings bremste die Flucht vieler Rohstoff-Anleger in den Dollar den Anstieg der Gemeinschaftswährung.

Der Euro, der zunächst auf ein Achteinhalb-Monats-Tief von 1,3361 Dollar gefallen war, stieg im Tagesverlauf auf 1,3502 Dollar und lag damit knapp über dem New Yorker Freitagsschluss. Im Gegenzug rutschte der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, um bis zu 127 Ticks auf ein Zehn-Tages-Tief von 136,85 Punkten ab. 

Legt die EU beim Krisenmanagement einen Gang zu?
„Es gibt etwas Hoffnung, dass die EU endlich etwas gegen die wachsenden Finanzierungsprobleme in Euro-Land unternimmt“, sagte Finanzmarkt-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. Nach der weltweiten Kritik an ihrer Krisenbekämpfung signalisierten die Europäer am Rande einer Tagung des Internationalen Währungsfonds IWF mögliche Korrekturen an ihrem Konzept zur Rettung Griechenlands und anderer hoch verschuldeter Staaten. Im Gespräch ist unter anderem eine höhere Beteiligung der Banken an der Sanierung. Der Forderung vieler Länder wie den USA und China, den Euro-Rettungsschirm EFSF massiv aufzustocken, wollen die Europäer zwar nicht nachkommen, doch sie wollen dem Fonds mit anderen Instrumenten mehr „Feuerkraft“ verleihen. Zudem könnte der geplante dauerhafte Krisenhilfemechanismus ESM schon früher kommen als 2013, wie es bislang geplant ist.

„Es herrscht eine gesunde Skepsis gegenüber den Nachrichten vom Wochenende angesichts vieler Worte und weniger Entscheidungen“, sagte Devisenstratege Paul Robson von RBS Global Banking. „Der Markt will weiterhin Klarheit und an der fehlt es. Daher wird der Euro zum Dollar bis auf weiteres nachgeben.“ Die Analysten der Commerzbank wiesen ebenfalls auf das Risiko einer weiteren Abwerung der Gemeinschaftswährung hin. Die Daten der US-Terminbörsenaufsicht CFTC zeigten zwar, dass derzeit lediglich 17 Prozent der Positionen spekulativ orientierter Anleger auf einen steigenden Euro wetteten - so wenig wie seit 1999 nicht mehr. „Aber: 17 Prozent sind noch genug, um noch weiter reduziert zu werden.“

Ifo-Index sorgt für Entspannung am Devisenmarkt 

Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung der deutschen Wirtschaft widerspiegelt, fiel im September auf 107,5 Punkte von 108,7 Zählern im Vormonat. Analysten hatten allerdings mit einem Rückgang auf 106,5 Stellen gerechnet. „Die Lage in Deutschland ist nicht so schlecht, wie es die Märkte derzeit widerspiegeln“, sagte WestLB-Analyst Jörg Lüschow. „Dass Deutschland in eine Rezession abgleitet, kann man aus den Zahlen nicht herauslesen. Dies zeigt auch die positive Reaktion der Märkte auf die Daten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen: Spekulationen geben Euro Auftrieb"

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  • Ob der Euro steigt oder fällt, es spielt bei mir keine Rolle, ich bin Rentner und kriege praktisch immer die gleiche Rente seit Jahren, nur dass ich mir weniger jetzt damit leisten kann.
    Also mir juckt es nicht was der Euro tut, um nach Rimini zu fliegen habe ich sowieso kein Geld übrig. Oder habe die dort keine Lira mehr?

  • Auch schön dass das Benzin dadurch teurer wird, dann werden vielleicht endlich kleinere Autos gekauft.
    Schlecht für deutsche Luxuskarrossenhersteller, auch deswegen ist hier eine gewisse Schadenfreude berechtigt.

  • Schön dass der Euro endlich zu einem realistischen Wechselkurs zurück fällt.
    Ein starker Euro ist nur für große Unternehmen gut die Zulieferer im Nichteuroausland haben (z.Bsp. Autoindustrie). Dadurch haben sie bis jetzt billig die Teile bekommen können.
    Manche Großunternehmer werden es bedauern dass sie ihre Produktionsstätte nicht in der Eurozone haben. Schadenfreude ist die schönste Freude.

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