Devisen
Starke US-Konjunktur beflügelt Dollar

Der US-Arbeitsmarkt ist stabiler als erhofft und auch die Industrie kann ein ordentliche Plus verbuchen. Die Reaktion an den Devisenmärkten lässt nicht lange auf sich warten.
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FrankfurtErmuntert von verbesserten US-Konjunkturaussichten haben Devisenanleger am Freitag zum Dollar gegriffen. Der Dollar-Index, der den Wechselkurs zum Euro und anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg auf ein Zwei-Monats-Hoch von 80,53 Punkten. Im Gegenzug verbilligte sich die europäische Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,2846 Dollar und lag damit etwa einen US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss.

Auftrieb erhielt die US-Währung vom überraschend starken Stellenaufbau im Oktober. Den Angaben zufolge schuf die US-Wirtschaft 171.000 neue Jobs. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 125.000 gerechnet. Zudem entstanden im August und September zusammen 84.000 mehr Arbeitsplätze als bislang angenommen.

"Diese Zahlen sehen ziemlich gut aus", sagte Nomura-Volkswirtin Ellen Zentner. Sie warnte aber vor überzogenem Optimismus. "Wenn man den laufenden Zwölf-Monats-Durchschnitt betrachtet, konnten wir die Schwelle von 150.000 neuen Jobs pro Monat noch nicht hinter uns lassen."

Für Peter Cardillo, Chef-Ökonom von Rockwell Global Capital, übertrafen die Zahlen die Erwartungen nur oberflächlich. "Für eine reale Trendwende am Arbeitsmarkt reicht es noch nicht." Ähnlich äußerte sich auch Zinsstrategin Kathy Jones vom Brokerhaus Charles Schwab. Um die Arbeitslosenquote nachhaltig zu drücken, müssten monatlich mehr als 300.000 neue Jobs geschaffen werden.

Die US-Industrie hat im September das größte Auftragsplus seit anderthalb Jahren eingefahren. Die Bestellungen stiegen zum Vormonat um 4,8 Prozent und damit so stark wie seit März 2011 nicht mehr, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington mit. Im August hatte es einen Einbruch um 5,1 Prozent gegeben. Von Analysten hatten für September im Schnitt ein Plus von 4,8 Prozent vorausgesagt. Rechnet man jedoch die Verkehrssparte hinaus, stiegen die Aufträge insgesamt nur um 1,4 Prozent.

Die starken US-Daten nahmen einige Investoren zum Anlass, um sich aus renditeschwachen, aber als sicher geltenden Staatsanleihen zurückzuziehen. Der Bund-Future gab zwölf Ticks auf 141,59 Punkte nach. Sein US-Pendant, der T-Bond-Future notierte 78 Ticks niedriger bei 147-26/32 Zählern.

Unabhängig davon sorgten juristischen Hürden bei der Umsetzung der geplanten Rentenreform in Griechenland bei Marktteilnehmern für Sorgenfalten. Diese Probleme könnten die Freigabe weiterer Hilfsgelder für das hoch verschuldete Land gefährden, betonte Investec-Analyst Brian Barry. Ein weiterer Schuldenschnitt sei auch keine Lösung, denn dadurch würden erneut Spekulationen um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone angeheizt. Nach dem Kursrutsch des Vortages stabilisierten sich die griechischen Bonds. Die Rendite der zehnjährigen Titel lag bei 18,157 Prozent.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Dazu kommt dass die Gewinne die deutsche Konzerne über den Export z.B. in Italien erzielten sehr oft nicht in Italien sondern in Nicht-Euro-Ausland reinvestiert wurden, besonders in die ehemalige Länder des Ost-Block.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was die Währungsunion braucht sind Vertragsänderungen.

  • Das ist das Ergebnis des deutschen Europas! Falsche Richtung! Europa wird fatall zerstoert wenn die Deutschen diese antieuropaische Politik und Mentalitaet treiben. Europa braucht endlich (nach zwei Weltkriege) ein eupopaeisches Deutschland. Langsam wird kalt rumherum Deutschland! Deutschland darf nicht zulasten anderer EU- Laender profitieren und mit Schulden belasten. Das wird fuer D sehr teuer werden.

  • Lernen Sie nicht zu verallgemeinern.
    Nationen werden von Menschen gemacht.
    Die Griechen, die Italiener, die Spanier, die Franzosen und die deutschen.
    Bürger sind nicht immer verantwortlich für was ihre Herrscher als die Schuld des Seins inert kombinieren.
    Im Hinblick auf wirtschaftliche Hilfe, nie vergessen, als die Berliner Mauer zusammenbrach. Sie wurden mit Geld geflutet, und niemand hat es zurückkehren wollte.
    Wenn wir mit den großen Volkswirtschaften der Welt konkurrieren wollen müssen wir globalisieren Wirtschaft helfen Ststi in Klemme für Misswirtschaft und Spekulationen, an denen Sie teilgenommen haben.
    Sie haben viel zu lehren, aber nichts erzwingen.
    Wer schreibt ist nicht in der Bolschewiki, sondern ein Manager und Finanzanalyst, Italienisch.

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