Devisen
Südafrikanischer Rand zeigt Stärke

Es gibt gute Gründe, warum der Rand in Südafrika oft auch der "Random" (engl. für "willkürlich") genannt wird. Kaum etwas lässt sich am Kap ähnlich schwer voraussagen wie der Verlauf der südafrikanischen Lokalwährung. Symptomatisch dafür sind die letzten zwölf Monate.

KAPSTADT. War der Rand noch im letzten Oktober im Zuge der Lehman-Pleite und der damit verbundenen Flucht vieler Anleger in die Sicherheit ihrer Heimatmärkte schwer abgestürzt, gehört er in diesem Jahr zu den stärksten Währungen der Welt.

Niedriges Defizit

Mit der Erholung der Börsen und dem gestiegenen Risikoappetit vieler Anleger hat der Rand in den letzten Monaten stetig an Boden gewonnen und ist gerade auf ein 20-Monats-Hoch zum Dollar geklettert. Aber auch gegenüber dem Euro hat der Rand seit Jahresbeginn stolze 20 Prozent an Wert gewonnen. Zurückzuführen ist die Stärke des Rands vor allem auf das gesunkene Leistungsbilanzdefizit Südafrikas, das nur noch bei 3,2 Prozent liegt - der beste Wert seit mehr als fünf Jahren. Verantwortlich für den Rückgang des Defizits sind vor allem die stark gefallenen Importe Südafrikas, aber auch der erheblich geringere Abfluss an Dividenden für die Aktionäre südafrikanischer Unternehmen im Ausland.

Carry-Trades

Ein zweiter wichtiger Grund für die Randstärke liegt in der Wiederaufnahme der sogenannten "Carry-Trades". Dabei leihen sich Anleger Geld in einer Niedrigzinswährung wie dem Yen oder Euro - und investieren es in einer Hochzinswährung wie dem Rand. Einen neuen Schub bekam der Rand dabei durch die Entscheidung der Zentralbank, den Leitzins am Kap bei sieben Prozent zu belassen. Für Ausländer aus dem Euro-Raum bleibt eine Geldanlage in Südafrika angesichts des höheren Zinsniveaus am Kap attraktiv - zumindest solange die größere Risikobereitschaft der Anleger anhält.

Goldpreis

Zugute kommt dem Rand aber auch der stark gestiegene Goldpreis. Als einer der führenden Produzenten des gelben Metalls profitiert Südafrika von den höheren Exporteinnahmen seiner Minenkonzerne. Daneben führen Marktbeobachter die mögliche Fusion des südafrikanischen Mobilfunkriesen MTN mit dem indischen Rivalen Bharti ins Feld, weil im Fall eines erfolgreichen Zusammenschlusses bis zu vier Mrd. Dollar ans Kap fließen würden. Gestern verstärkten sich die Hinweise darauf, dass die mehrfach verlängerten Gespräche womöglich vor ihrem Abschluss stehen.

Risiken

Gleichwohl belastet die Randstärke inzwischen die Exporte der Rohstoffförderer, weil diese auf Randbasis produzieren, aber auf Dollarbasis verkaufen. Südafrika findet dadurch nur schwer aus seiner Rezession heraus. Genau darin dürfte auch bereits der Kern für die nächste Randkrise liegen. Obwohl einige Analysten angesichts der leicht erholten Weltwirtschaft eine weitere Aufwertung des Rands erwarten, ist größte Vorsicht geboten: Gerade erst hat Südafrikas scheidender Notenbankchef Tito Mboweni erklärt, dass sich der Rand weit über Gebühr erholt habe.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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