Devisenexperten rechnen nur´mit begrenzten Auswirkungen
Euro gibt nach Schröder-Interview nach

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich besorgt über die Auswirkungen des hohen Euro-Kurses auf die europäischen Exporte geäußert und indirekt an die Europäische Zentralbank (EZB) appelliert, gegebenenfalls darauf zu reagieren. Der Euro gab auf Grund des Interviews in Fernost rund einen halben Cent nach.

LONDON/BERLIN. „Ich gehe davon aus, dass die klugen Menschen in der Europäischen Zentralbank jeden Tag diskutieren, ob sie im Rahmen des Dollar-Euro-Wechselkurses genug tun, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporte zu erhalten“, sagte Schröder der „Financial Times“ (Freitagausgabe). Exportfirmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern litten unter dem starken Euro. Das bremse das Wirtschaftswachstum.

Ein Regierungssprecher wollte sich am Morgen auf Anfrage nicht dazu äußern, ob die Interpretation der Zeitung richtig sei, Schröder habe die EZB damit indirekt zu einer Intervention an den Devisenmärkten aufgefordert.

Der Euro fiel zum Dollar auf 1,1326 Dollar von 1,1379 Dollar im späten US-Handel. Devisenexperten rechneten allerdings nur mit begrenzten Auswirkungen durch das Interview Schröders. „Die Schlagzeile hatte ziemliche Auswirkungen, aber wenn man die Geschichte liest, hat Schröder die EZB nicht direkt zu einer Devisenintervention aufgefordert“, sagte Tohru Sasaki von JP Morgan Chase. Der Euro hatte Ende Mai mit Kursen über 1,19 Dollar ein Allzeithoch erreicht, hat aber seither angesichts von Hoffnungen auf eine Belebung der US-Konjunktur kontinuierlich an Wert verloren.

Die EZB hatte am Donnerstag entschieden, ihren Leitzins auf dem historischen Tief von 2,0 Prozent zu belassen. „Ich kann nicht vorhersagen, wie lange wir auf diesem Kurs bleiben, aber ich würde erwarten, dass es für einen beträchtlichen Zeitraum gilt“, hatte EZB-Chef Wim Duisenberg gesagt und die Geldpolitik mit Blick auf die Aussichten für die Preisstabilität als angemessen bezeichnet. Die EZB gehe von einer sehr langsamen konjunkturellen Erholung im zweiten Halbjahr und von einer Beschleunigung 2004 aus. Doch auch im kommenden Jahr werde das Wachstum nur schrittweise zulegen. Das niedrige Zinsniveau stützt Duisenberg zufolge die Konjunktur und schirmt sie gegen Risiken ab.

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