Devisenhändler optimistisch
Analysten sehen Potenzial für Schwedens Krone

Für Devisenhändler ist die schwedische Krone unterbewertet – trotz des Kursanstieges im vergangenen Jahr. Denn die Wirtschaft wächst weiter – und durch die Euro-Krise wächst die Attraktivität der skandinavischen Währung.
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OsloDie Deutsche Bank, der größte Devisenhändler weltweit, und HSBC sind sich einig: die schwedische Krone hat weiteres Aufwärtspotenzial. Auch nach einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Euro in den vergangenen zwölf Monaten ist die Krone immer noch unterbewertet, sagt Henrik Gullberg, Devisenstratege bei der Deutschen Bank in London. Daragh Maher, HSBC-Stratege, sieht die Krone zwar hoch bewertet, verweist aber auf einen Kreis treuer Investoren, die an Staatsanleihen von Ländern mit einem stabilen AAA-Rating interessiert sind.

Ein anziehendes Wirtschaftswachstum in Schweden und die relative Gleichgültigkeit, die die schwedische Notenbank gegenüber dem Wechselkurs an den Tag legt, stützen die Aufwärtsbewegung der Krone. Und mit der Verschärfung der Schuldenkrise in Europa steigt die Attraktivität von Anleihen aus der größten Volkswirtschaft Skandinaviens, die mit einer erstklassigen Bonitätsnote von „AAA“ glänzen, argumentieren die Banken.

„Der Markt kauft mit Freude eine überbewertete Währung, weil sie eine „AAA“-Note vorweisen kann“, erklärt Maher. HSBC, nach Bilanzsumme die größte europäische Bank, geht davon aus, dass die Krone bis zum Jahresende auf 8,10 je Euro steigen wird. Am Dienstag notierte die Schweden-Krone zwischenzeitlich bei 8,3516 je Euro.

Nach Gullbergs Einschätzung ist die Krone die einzige Währung eines mit „AAA“ bewerteten Staates, die noch günstig erscheint. Der Stratege erwartet, dass die Bewertung erst dann zum Problem wird, wenn sie auf 7,75 bis 8 Kronen je Euro steigt. Dies sei jedoch vor der zweiten Jahreshälfte unwahrscheinlich, führt er aus.

In der vergangenen Woche kletterte die Krone in der Spitze 0,8 Prozent gegenüber dem Euro. Zuvor waren Daten zum verarbeitenden Gewerbe in Schweden stärker als erwartet ausgefallen, was die Einschätzung der Zentralbank stützt, dass sie die Zinsen nicht weiter senken muss. Das verarbeitende Gewerbe ist im März so stark gewachsen wie zuletzt im Juni 2011, wie der von der Swedbank veröffentlichte Index zeigt.

Im Februar beließ die schwedische Riksbank ihren Leitzinssatz unverändert bei einem Prozent und signalisierte keine weiteren Reduzierungen. Seit Dezember 2001 hatte sie die Zinsen vier Mal gesenkt. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, nächstes Jahr sollen es 2,7 Prozent sein. In der Eurozone wird die Wirtschaft hingegen im laufenden Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und 2014 um 1,4 Prozent wachsen, so die Prognose der Europäischen Kommission.

„Die Riksbank hat nur wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen“, erläutert Gullberg. Die Krone ist seiner Einschätzung nach „die einzige unterbewertete Währung eines Industrielandes mit erstklassiger Bonität.“

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Krone gegenüber dem Euro 5,9 Prozent zugelegt, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Das ist die beste Wertentwicklung nach dem mexikanischen Peso und dem neuseeländischen Dollar. Die norwegische Krone hat gegenüber dem Euro im gleichen Zeitraum 1,3 Prozent gewonnen.

Während die Zentralbank Norwegens ihre Bereitschaft signalisiert hat, die Zinsen zu senken um die Aufwertung der Währung zu stoppen, erklärte Schwedens Notenbankchef Stefan Ingves im Februar, er sei „zufrieden“ mit der Aufwertung der Krone. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat den Anstieg der Krone begrüßt und argumentiert, er mache das Reisen für die Schweden billiger.

Es gebe „keine Anzeichen dafür, dass Politiker oder Zentralbanker sich um die Stärke der Krone Sorgen machen. Ich denke, das beruht darauf, dass die Krone real nicht besonders stark ist“, so Gullberg. „Auf Basis aller unserer längerfristigen Bewertungen ist die Krone immer noch unterbewertet. Dies wird auch durch den realen Wechselkurs gestützt, der erst jetzt wieder auf dem Niveau vor der Krise ist und immer noch fünf bis sechs Prozent unter dem Niveau von vor zehn Jahren, trotz der stärkeren Fundamentaldaten.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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