Devisenhandel
Allzeithoch für Euro nur Zwischenstation

Unerwartet niedriges Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hat am Freitag den Euro auf 1,3680 Dollar getrieben, den höchsten Stand seit seiner Einführung. Aufs Jahr hochgerechnet ist die US-Wirtschaft im ersten Vierteljahr 2007 nur um 1,3 Porzent gewachsen.

noh/doh/hz/jojo/som FRANKFURT. Ende Dezember 2004 hatte der Euro sein bisheriges Rekordhoch bei 1,3667 Dollar erreicht. Markteilnehmer und Analysten gehen davon aus, dass sich die Euro-Aufwertung fortsetzt. „Für die Märkte ist es eine klare Sache, dass der Euro weiter aufwertet“, sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die USA seien an einem schwachen Dollar interessiert.

Gedrückt wird der US-Dollar vor allem durch die Erwartung, dass amerikanische Notenbank noch in diesem Jahr auf Zinssenkungskurs einschwenken wird um die Wirtschaft zu stützen, während von der die Europäischen Zentralbank erwartet wird, dass sie mit ihrem Zinserhöhungskurs fortfährt. Wenn die europäsichen Zinsen relativ zu den amerikansichen steigen, wird die Anlage in Dollar-Anleihen weniger attraktiv und die Nachfrage nach Dollar sinkt. Als langfristig unvermeidlich gilt eine Dollar-Abwertung, weil die Vereinigten Staaten ein riesiges Defizit im Außenhandel haben, das weithin als auf Dauer nicht tragfähig eingeschätzt wird. Ein schwacher Dollar fördert die US-Ausfuhren und bremst die Einfuhren.

Leidtragende sind die euroäischen Exporteure. Doch während vor zwei Jahren in Europa Katastrophenstimmung herrschte, lässt die derzeitige Eurostärke Finanzmärkte, Politik und Wirtschaft weitgehend kalt. „Zu Alarmismus besteht auf Grund des hohen Euro in Deutschland noch kein Anlass", sagt BDI-Konjunkturexperte Matthias Krämer. Ausschlaggebend dafür sei neben der guten wirtschaftlichen Entwicklung, dass sich viele Unternehmen gegen Währungsrisiken abgesichert hätten. Als „wenig überraschend" schätzt der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, den starken Anstieg des Euro ein. „Von daher war jeder Profi gut beraten, sich frühzeitig abzusichern und muss diese Entwicklung nicht scheuen", sagte er dem Handelsblatt. Gelassen stimme ihn zudem, dass sich die Weltwirtschaft robuster als erwartet entwickelt und die deutschen Unternehmen dank ihrer Restrukturierungen in den Vorjahren davon erheblich profitierten. „Vielfach sind die Produkte deutscher Maschinenbauer und Elektrotechnikspezialisten fast konkurrenzlos und können im Dollarraum kaum in gleicher Qualität produziert werden“ erklärt Lothar Hessler von HSBC Trinkaus, warum die deutsche Industrie den Dollar-Anstieg bisher so gut wegsteckt.

Hier und da zwickt der starke Euro die Unternehmen aber bereits empfindlich. Der anhaltende Preisdruck in der Autoindustrie und die kräftige Aufwertung des Euro machen dem weltgrößten Autozulieferer Bosch zu schaffen. Im ersten Quartal halbierte sich das Umsatzwachstum durch Währungsverluste infolge der Schwäche von Dollar und Yen auf 2,5 Prozent, wie der stark vom Export abhängige Stuttgarter Konzern am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz mitteilte. Um ein weiteres Abschmelzen der Rendite zu vermeiden, läutet der vor allem in Asien und Osteuropa expandierende Traditionskonzern eine Sparrunde ein.

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