Devisenhandel
Allzeithoch für Schweizer Franken

Trotz der starken Überbewertung des Franken erwarten Händler für die nahe Zukunft Parität zum Euro. Die Kosten der Absicherung gegen einen Kursrückgang des Euros erhöhten sich in starken Maß.
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Händler sehen den Franken auf die Parität zum Euro zusteuern, obwohl die Schweizer Währung bereits von einem Rekord zum nächsten klettert und nach Kaufkraft-Indikatoren die am stärksten überbewertete Weltwährung ist. Basis der Erwartung ist die Aussicht, dass die Schuldenkrise am Eurozonen-Rand auf die größeren Volkswirtschaften übergreifen könnte.

In den letzten zwölf Monaten hat der Franken, gemessen an den Bloomberg Correlation-Weighted Indexes, gegenüber den Währungen von neun anderen Industrieländern 17 Prozent zugelegt und damit die beste Entwicklung verzeichnet. Am Montag kletterte er zum Euro auf den Rekordwert von 1,1374 Franken und auf das Allzeithoch von 80,33 Rappen je US-Dollar. Das Interesse am Franken hat davon profitiert, dass die Ratingagenturen die Bonitätsnoten von Portugal und Irland auf "Ramsch"-Niveau gesenkt und Griechenland auf die schlechteste Note heruntergestuft haben.

Die Kosten, um sich gegen einen Kursrückgang des Euro gegenüber dem Franken abzusichern, erhöhten sich auf den höchsten Stand seit Januar 2009. Dies signalisiert Besorgnis, dass es der Europäischen Union nicht gelingen wird, die Krise einzudämmen. Sowohl Griechenland als auch Irland und Portugal mussten Rettungspakete von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds in Anspruch nehmen. Die Renditen der Staatsanleihen von Spanien und Italien sind auf Rekordniveaus geklettert.

Devisenstrategen haben ihre Prognosen für den Kurs des Franken im vierten Quartal inzwischen angehoben, wobei der größte Anstieg mit 9,1 Prozent gegenüber dem Dollar erwartet wird. Gegenüber dem Euro rechnet John Taylor, Gründer des weltgrößten Devisenhedgefonds FX Concepts LLC in New York, nun mit der Parität. "Die EU arbeitet nicht an einer wirklichen Lösung, sie betreibt lediglich Flickschusterei, um ein gewisses Maß an Zeit zu gewinnen. Langfristig wird die Schweiz ein Problem damit bekommen, dass Geld in das Land hineinströmt", sagte Taylor. Er verwaltet 8 Mrd. Dollar.

"Der Franken wird für lange Zeit eine starke Währung bleiben, weil die Schuldenkrise in Europa nicht so schnell verschwinden wird", sagte Sebastien Galy, leitender Devisenstratege bei der Société Générale SA in London. "Wir befinden uns in einer globalen Wachstumskrise und in diesem Umfeld sind saubere Bilanzen attraktiv. Und das ist bei der Schweiz der Fall", fügte er an. Die Schweiz verfügt, anders als die USA, über einen Leistungsbilanzüberschuss.

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