Devisenhandel
Der Rubel rollt nicht mehr

Seit die Petrodollar langsamer fließen, geht es auch mit der russischen Währung bergab. Der Rubel hat im Oktober den größten Verlust seit einem Jahrzehnt zum US-Dollar erlitten. Um ihn zu stützen, tut die Regierung einiges. Selbst Wladimir Putin springt dem Rubel zur Seite.

MOSKAU. Der russische Rubel steht weiter erheblich unter Druck - und Regierungschef Wladimir Putin lässt nicht locker, ihn rhetorisch zu stützen. Ende vergangener Woche erklärte er in einem Interview, er habe seine Rubel-Konten bei den Staatsbanken Sberbank und VTB bisher nicht angefasst. Der Frage, ob er Geld verloren habe, wich er allerdings aus - er habe bisher keine Zeit gehabt, nachzuzählen.

Verloren hat der Rubel im vergangenen Monat beträchtlich. Zum Dollar musste er den größten Rückgang in der vergangenen Dekade einstecken - ein Minus von elf Prozent. Das hat vor allem zwei Gründe: den anhaltenden Rückzug ausländischer Investoren sowie den Verfall des Ölpreises von rund 140 Dollar für das Barrel auf heute knapp 60 Dollar. Im Oktober zogen Investoren rund 72 Mrd. Dollar aus Russland ab, schätzt BNP Paribas. Die Experten von Citigroup erwarten eine weitere Abwertung der russischen Währung. Auch viele Bürger trauen ihr nicht: Allein im September zogen russische Sparer 225 Mrd. Dollar von ihren Konten ab - gut 1,5 Prozent aller Einlagen.

Wie dünn der Glaube an den Rubel ist, offenbaren auch die neuesten Maßnahmen der Regierung: Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow kündigte an, Mechanismen entwickeln zu wollen, die verhindern, dass Banken Staatsgelder in die US-Währung investieren. Russland hat im Zuge der Finanzkrise ein Rettungspaket von rund 200 Mrd. Dollar geschnürt, das unter anderem den Geldhäusern Liquidität verschaffen soll. Marktbeobachter in Moskau berichteten, dass einige Kreditinstitute die Geldspritze direkt in Dollar umgewandelt hätten.

Die Zentralbank stemmt sich mit Macht gegen den Abwertungsdruck. Im vergangenen Monat ließ sie sich die Stützung des Rubels zum Währungskorb aus Dollar und Euro rund 40 Mrd. Dollar kosten. Die russischen Währungsreserven - im Sommer noch auf einem Rekordniveau von 600 Mrd. Dollar - stehen heute bei 480 Mrd. Dollar.

Für die russische Führung haben sich die wirtschaftlichen Vorzeichen in Windeseile geändert. Noch vor wenigen Monaten galt es wegen des starken Stroms der Petrodollar den Druck für eine Aufwertung des Rubels abzufangen: Der bedrohte vor allem die Nicht-Rohstoffexporte, die auf dem Weltmarkt teurer wurden. Weil sich Importe verbilligten, kamen heimische Produkte zudem unter starken Konkurrenzdruck - Symptome der "Dutch Disease", ein Modell, welches die verheerenden Folgen des plötzlichen Nordseeölreichtums auf die niederländische Wirtschaft in den 60er Jahren beschreibt.

Wie sich die Rubelabwertung auf die Wirtschaft auswirken wird, ist noch unklar. Mit den fallenden Ölpreisen dürfte der Inflationsdruck sinken, doch die Importe werden teurer. Vor allem die Unternehmen, die für den heimischen Markt produzieren - also keine Deviseneinnahmen haben - und es sich in der Vergangenheit leisten konnten, teure Maschinen zum Beispiel aus Deutschland zu kaufen, dürften ihre Investitionen zurückschrauben. Auch der private Konsum-Boom der vergangenen Jahre, bei dem sich Russlands Bürger dank des starken Rubels mit ausländischen Produkten eindecken konnten, könnte einen erheblichen Dämpfer erhalten: "Shoppen" wird teurer.

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