Devisenhandel
Euro stabil bei 1,31 Dollar

Der unerwartet gute Geschäftsklimaindex hat dem Euro geholfen. Der Kurs der Gemeinschaftswährung lag stabil bei mehr als 1,31 Dollar. Auch das britische Pfund konnte heute zulegen. Der Fokus liegt nun auf der IWF-Tagung.
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FrankfurtAn den Devisenmärkten hat sich der Euro leicht über dem Vortagesniveau behauptet. Der Euro war bei 1,3159 Dollar um 0,2 Prozent fester. Ein überraschender Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im April in Deutschland auf 109,9 Zähler zeitweise für Unterstützung beim Euro. Erwartet wurde ein etwas schwächerer Indexstand, womit sich eine stabile Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Eurozone abzeichnete.

Am Rentenmarkt gab der Bund-Future seine Gewinne größtenteils ab und notierte bei 140,65 Zählern drei Ticks im Plus. Zuvor hatte der Terminkontrakt mit 140,86 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Die Zinsen für spanische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit hielten sich in der Nähe der als kritisch bezeichnete Marke von sechs Prozent. Italienische Papiere rentierten mit 5,679 Prozent.

Unerwartet starke Einzelhandelsumsätze aus Großbritannien schoben am Vormittag das britische Pfund zeitweise kräftig an. Damit knüpfte die britische Devise den vierten Tag in Folge an ihre Gewinne zum Euro an und stieg auch zum Dollar. Im März waren die Einzelhandelsumsätze statt der erwarteten 0,5 Prozent um 1,8 Prozent gestiegen. Zum Dollar ergab sich beim Pfund ein Plus von 0,3 Prozent auf 1,6103 Dollar je Pfund und zum Euro stieg das Pfund um 0,2 Prozent und notierte 81,71 Pence.

Zum Yen war der Euro kaum verändert bei 107,20 Yen je Euro, womit sich ein Wochengewinn von 1,3 Prozent andeutete, was dem ersten Wochenplus im April entspräche. Im Tagesverlauf treffen sich Vertreter der Gruppe der G-20 mit dem Weltwährungsfonds IWF und diskutieren in Washington neue Maßnahmen zur Eindämmung der europäischen Schuldenkrise. IWF-Chefin Christine Lagarde begrüßte die bisher eingegangen Zusagen über 320 Mrd. Dollar an weiteren Mitteln für den Fonds.

Aus charttechnischer Sicht steht der Euro bei weiteren Aufschlägen zum Dollar vor einem Test der Marke von 1,3265 Dollar, wo ein längerfristiger Abwärtstrend liege, schrieb Roelof-Jan Van den Akker von der ING Groep NV in Amsterdam in einer aktuellen Studie. Davor liege noch die 50-Tage-Durchschnittslinie bei 1,3203, die der Euro seit dem 3. April nicht mehr nachhaltig überwunden habe.

Der Schweizer Franken war unverändert zum Euro bei 1,2019 je Euro. Zum Dollar war die eidgenössische Währung bei 91,35 Rappen je Dollar um 0,1 Prozent fester.

Im Fokus hatten die Anleger vor allem die IWF-Tagung in Washington, wo um die Aufstockung der Hilfen im Kampf gegen die Schuldenkrise gerungen wird. Der Anstieg des Ifo-Index im April sorgte zunächst für Erleichterung. „Deutschland hält in der Schuldenkrise die Fahne hoch“, sagte Analystin Jana Meier von HSBC Trinkaus. „Als Wachstumsstütze wird immer mehr die Binnennachfrage erkennbar und nicht mehr allein der Export. Davon können auch andere Länder in Europa profitieren.“ Ihr Kollege Andreas Scheuerle von der Dekabank sagte: „Es zeigt sich einmal mehr, in welch guter Verfassung sich die Unternehmen in Deutschland befinden.“ Die Eurokrise hinterlasse zwar gesamtwirtschaftliche Spuren in Form einer Konjunkturdelle. „Doch angesichts der Dimension dieser Krise für die Euro-Zone sind das für die deutschen Unternehmen nur leichte Blessuren.“ Der Ifo-Index legte den sechsten Monat in Folge zu. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 109,5 Punkte gerechnet.

In Sachen Schuldenkrise richteten Investoren ihren Blick gen Paris und Washington. In Frankreich stehen am Sonntag Präsidentschaftswahlen an. Die Finanzmärkte fürchten, das der in den Umfragen vorn liegende Sozialist Francois Hollande mit dem Staatshaushalt weniger restriktiv umgehen könnte als Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

In Washington läuft zudem bis zum Sonntag die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Europäer hoffen auf eine Aufstockung der bisher zugesagten Mittel, um die Krise zu bekämpfen. Zuletzt zeichnete sich allerdings Widerstand aus den Schwellenländern sowie aus Kanada ab. IWF-Chefin Christine Lagarde hofft darauf, dass die Mittel für ihren Fonds auf mindestens 400 Milliarden Dollar aufgestockt werden. Zugleich stellte die Französin aber klar, dass der IWF nicht nur für Europa da sei, sondern allen Ländern in Not helfen will. Citibank-Analyst Greg Anderson sagte mit Blick auf die kommende Woche: „Wenn wir über das Ziel von 400 Milliarden Dollar hinausgehen und das ursprüngliche Ziel von 500 Milliarden erreichen, könnte der Euro zum Handelsstart am Montag steigen.“ Falls aber die Marke der bereits zugesagten 320 Milliarden nicht übertroffen werde, könnte es eine größere Reaktion nach unten geben.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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