Devisenhandel: Euro stark wie seit neun Monaten nicht

Devisenhandel
Euro stark wie seit neun Monaten nicht

Nach einem kurzen Rücksetzer am Morgen setzt der Euro seine Aufwärtsbewegung fort und steigt über 1,3650 Dollar. Die Nachrichten aus Irland und Spanien werden am Markt als wenig überraschend eingestuft. Im Fokus der Anleger: Die Geldpolitik der EZB.
  • 1

HB FRANKFURT. Anleger am Devisenmarkt haben am Donnerstag auf einen Ausstieg der EZB aus der Politik des billigen Geldes gesetzt. Der Euro kletterte auf bis zu 1,3683 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt Mitte April. Die US-Währung blieb auch zu einem Korb von sechs wichtigen Währungen unter Druck. Der Dollar-Index fiel auf ein Acht-Monatstief von 78,414 Stellen. „Es gibt keinen Hinweis, dass der jüngste Dollarrückgang zu einem Ende gekommen ist“, sagte Nordea-Währungsstratege Niels Christensen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) war bei der Zuteilung eines Tenders mit sechs Tagen Laufzeit auf deutlich weniger Nachfrage von Banken gestoßen als erwartet. „Wenn die EZB selbst sich in Richtung Ausstieg neigt, dann stehen sie als Gewinner da“, sagte Währungsstratege Kit Juckes von der Societe Generale. „Eine weitere geldpolitische Lockerung ist wahrscheinlich in den USA, Großbritannien und eventuell in Japan.“ Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed den Geldhahn weiter aufdreht, belasten seit einer Weile den Dollar. Im September büßte er mehr als sieben Prozent gegenüber dem Euro an Wert ein.

Die Spekulationen über weitere Geldspritzen der US-Notenbank Fed ließen am Donnerstagnachmittag nach Veröffentlichung einer Reihe überraschend guter US-Konjunkturdaten allerdings nach. Als positive Überraschung werteten Analysten insbesondere den überraschend robuste Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago sowie den Rückgang der Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Der Euro gab daraufhin einen Teil seiner Gewinne ab und notierte bei 1,3650 Dollar.

Schlechte Nachrichten aus hoch verschuldeten Euro-Mitgliedsstaaten Irland und Spanien nahmen Anleger gelassen auf. Irland muss weitere Milliarden in seinen Bankensektor pumpen. „Die Anhebung der Sanierungskosten für die Anglo Irish Bank konnte die Marktteilnehmer nicht mehr überraschen“, sagte HSBC Trinkaus-Analyst Sebastian von Koss.

Auch Spaniens Verlust der Top-Bonitätsnote „AAA“ sorgte am Markt nicht für Irritationen. Der Schritt von Moody's komme nicht unerwartet, betonte Commerzbank-Finanzstratege Christoph Rieger. Die Risikoaufschläge für zehnjährige irische Bonds gingen im Vergleich zur entsprechenden Bundesanleihe um 23 Stellen auf 443 Basispunkte zurück. „Bei den irischen Spreads war die Zeit für eine Korrektur reif“, betonte HSBC-Experte von Koss.

In Reaktion auf die US-Daten gaben die Kurse am Rentenmarkt nach. Der Bund-Future fiel um 65 Ticks auf 131,16 Zähler, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,305 Prozent.

Kommentare zu " Devisenhandel: Euro stark wie seit neun Monaten nicht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Möchte mal wetten das die ganzen Euro - stark - Visionen von Typen verbreitet werden die für ihr Geld nicht allzuviel arbeiten müssen. Was macht den Euro gegenüber dem Dollar so stark: Der Schwachsinn der Leute die den Euro Nachfragen. Tatsache ist: Maßlose Verschuldung in der Euro Zone. Jeder der nur ein klein wenig rechnen kann der mag sich mal überlegen wie jeder dieser Staaten , auch wir, seine Schulden zurückzahlen sollte. Wehe wenn die Zinsen auch nur etwas steigen. Wieviel % Anteil sollen denn vom den Steuer Einnahmen für die Schuldentilgung ausgegeben werden. Noch höherere Steuern, noch kleinere Renten, noch mehr beschiss überall. Nur dem der Augen hat zu sehen und diese auch mit eingeschaltetem Gehirn gebrauchen möchte der muß erkennen das es so nicht gehen kann. Der Zug fährt auf einem Gleis welches auf einer halbfertigen brücke endet. Ende der Fahrt oder die Fahrzeit ist offen aber das Ergebnis ist doch klar oder. Nur ein depperter Politiker oder ein Wirtschaftswissenschaftler kann solche Tatsachen ignorieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%