Devisenhandel
Heimische Konzerne belasten brasilianischen Real

Stark rückläufige Dollarzuflüsse der Unternehmen sowie Kapitalabzüge ausländischer Investoren haben den Wert des brasilianischen Reals um ein Drittel gedrückt. Belastet wird die Währung aber auch von den Fehlspekulationen lokaler Unternehmen.

SAO PAULO. Ende vergangener Woche verkündete der Bergbaukonzern Vale do Rio Doce, dass er wegen der geringeren Nachfrage auf dem Weltmarkt die Eisenerzproduktion ab sofort um zehn Prozent zurückschrauben werde. Die Analysten rechneten sofort aus, was eine einjährige Produktionsbegrenzung des größten Erzlieferanten der Welt für Brasiliens Handelsbilanz bedeuten würde: 4,2 Mrd. weniger Dollar würden die Stahlfirmen weltweit nach Brasilien überweisen.

"Brasiliens Leistungsbilanz wird einen markanten Wechsel erleben", sagt Paulo Leme von Goldman Sachs, "Nach den Überschüssen der vergangenen Jahre werden kleine Defizite wahrscheinlich werden." Denn der Einfluss des Eisenerzriesen Vale auf die Handelsbilanz ist gewaltig: Zwei Drittel des akkumulierten Überschusses in der Handelsbilanz bis Ende September geht auf das Konto des Konzerns. Er ist der wichtigste Nettoexporteur Brasiliens. Denn auch Unternehmen wie Petrobras oder Embraer verkaufen zwar einen großen Teil ihrer Produktion ins Ausland, aber sie importieren im Gegenzug auch kräftig.

Die sinkenden Dollarzuflüsse haben den brasilianischen Real nach einem vierjährigen Höhenflug erstmals kräftig an Wert verlieren lassen: Zeitweise 40 Prozent verlor der Real seit Anfang September gegenüber dem Dollar. Jetzt ist er noch 30 Prozent weniger wert als vor zwei Monaten. Neben den fallenden Rohstoffpreisen belasten auch die Kapitalabflüsse der Investoren, Banken und Fonds die brasilianische Währung. Im Oktober haben alle Akteure netto 4,4 Mrd. Dollar aus Brasilien abgezogen. Zum Vergleich: Bis Oktober flossen dieses Jahr noch knapp 13 Mrd. Dollar in das südamerikanische Land. Im vergangenen Jahr waren es 74 Mrd. Dollar.

Am stärksten belastet den Real jedoch, dass zahlreiche bedeutender Unternehmen auf eine Wertsteigerung des Reals spekuliert hatten - und von der plötzlichen Aufwertung des Dollars auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Bisher haben Unternehmen wie Aracruz Celulose, der Lebensmittelkonzern Sadia und der Mischkonzern Votorantim zugegeben, dass sie sich verspekuliert haben. Die Unternehmen mussten im Oktober Dollar zu jedem Preis aufkaufen, um ihre Positionen abzubauen. Das trug zusätzlich zur Schwäche des brasilianischen Reals bei. Trotz dieses Einmaleffekts erwarten die meisten Banken aber, dass der Höhenflug der brasilianischen Währung endgültig vorbei ist. abu

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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