Devisenhandel
Rohstoffwährungen im Reißwolf

Mit dem Absturz der Rohstoffpreise sind auch die Währungen wichter Rohstoffexporteure kräftig unter Druck geraten. Die Gründe für den Einbruch sind vielschichtig und variieren von Land zu Land. Eines ist allen aber gemeinsam: Die Aussichten für die Wirtschaft haben sich merklich eingetrübt.

Die Finanzkrise hat Währungen aus rohstoffreichen Ländern schwer zugesetzt. In den vergangen drei Monaten verloren der südafrikanische Rand, der brasilianische Real oder der russische Rubel kräftig an Wert. Am heftigsten erwischte es den australischen Dollar, der gegenüber dem US-Dollar um knapp 30 Prozent fiel.

Zuletzt erholten sich Rohstoffwährungen zwar wieder etwas. Nach Ansicht von Stephen Jen, Devisenstratege bei Morgan Stanley, handelt es sich dabei aber nur um ein Strohfeuer. Er rät Anlegern, kurzfristige Kursanstiege zu nutzen, um ihre Positionen in den klassischen Rohstoffwährungen aufzulösen.

Die Gründe für den Absturz sind vielschichtig: Noch bis Mitte des Jahres waren die Währungen aus Australien, Kanada, Brasilien und Südafrika auf einem Höhenflug. Der Boom basierte auf den kräftig gestiegenen Rohstoffpreisen, gleichzeitig machten hohe Zinsen die Währungen für Anleger attraktiv. Durch sogenannte Carry-Trades floss viel Kapital in die Rohstoffländer. Dabei nehmen Anleger Kredite in Ländern mit niedrigen Zinsen (etwa Japan) auf und legen das Geld in Hochzinsländern (etwa Brasilien) an. Doch damit ist es nun vorbei.

Aufgrund der abflauenden Weltwirtschaft importieren Asien, Europa und Amerika weniger Rohstoffe. Beispiel Kupfer: Das Metall wird vor allem in Südamerika und Australien gefördert, benötigt wird es hauptsächlich in der Bau- und Elektroindustrie. Weil in diesen Branchen die Nachfrage sinkt, ist der Kupferpreis in wenigen Monaten um mehr als die Hälfte auf rund 4 000 Dollar je Tonne gefallen. Damit stand der Preis so niedrig wie seit März 2006 nicht mehr. Nach Einschätzung von Analysten könnte der Preis bald unter die Kosten für die Förderung fallen. Die Förderung einer Tonne Kupfer kostet durchschnittlich 3 000 bis 4 000 Dollar.

Der Verfall der Rohstoffpreise schlägt direkt auf die Wirtschaft der exportierenden Länder durch. Um den Abschwung abzufedern, reagieren die Notenbanken vor Ort mit massiven Zinssenkungen, was wiederum die heimischen Währungen unter Druck setzt. "Der Nimbus der Hochzinswährungen ist gebrochen", sagt zum Beispiel Ralf Umlauf, Devisenexperte der Helaba.

Seite 1:

Rohstoffwährungen im Reißwolf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%