Devisenhandel
Vier verlorene Jahre für den Kanada-Dollar

Lange hat der kanadische Dollar gebraucht, um im Wert mit seinem US-Pendant gleichzuziehen. Vergangenes Jahr war es endlich soweit, der Rohstoffhausse sei Dank. Die jüngsten Turbulenzen haben den "Loonie" aber wieder deutlich zurückgeworfen. Nun sucht die kanadische Währung Halt.

OTTAWA. Wenige Tage im Oktober genügten, um einen vierjährigen Aufstieg des kanadischen Dollar komplett umzudrehen: Mit dem Rückgang der Rohstoffpreise und der Kreditkrise ist der kanadische "Loonie in Bereiche zurückgefallen, in denen er sich zuletzt im Herbst 2004 bewegte und notierte Ende der Woche bei 0,82 US-Dollar.

Die Berg- und Talbahn des kanadischen Dollars, der traditionell als "Rohstoffwährung" und seit einigen Jahren etwas euphemistisch gar als "Petro-Dollar" gilt, überrascht auch Analysten und lässt sie nun sehr zögern, wenn es um Kurs-Prognosen geht. Aber sie sind übereinstimmend der Meinung, dass die Währung in den kommenden Monaten weiter unter Druck sein wird und ein solider Anstieg erst wieder in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu erwarten ist. "Kanadas Dollar wird allgemein als eine pro-zyklische Währung gesehen. Geht es mit der Wirtschaft nach unten, dann geht es auch mit dem Dollar nach unten", sagt George Davis, Chef-Währungsanalyst der Royal Bank of Canada in Toronto.

Noch vor einem Jahr strotzte der "Loonie" vor Kraft. Im September 2007 erreichte er erstmals seit 1976 die Parität mit dem US-Dollar. Das Allzeithoch wurde vor einem Jahr, am 7. November erreicht: 1,10 US-Dollar war der kanadische Dollar damals wert. Anschließend pendelte er monatelang um die Parität. Im Oktober kam der Absturz: Am 27. des Monats fiel er auf 0,77 US-Dollar zurück. Seiher verläuft der Handel hochvolatil. Tagessprünge von drei bis vier US-Cents sind derzeit keine Seltenheit. Auch gegenüber dem Euro schwankt der kanadische Dollar stark: Die Kurse bewegten sich im Oktober zwischen 1,47 und 1,62 Can-Dollar für einen Euro.

Kanada ist ein Rohstoffland und mit dem Rückgang der Rohstoffpreise sank seine Währung. "Wir sehen weltweit eine schwächere Nachfrage nach Rohstoffen. Der dramatische Verkauf von Rohstoffen, ob Rohöl oder Basismetalle, wirkt sich aus", sagt Davis. Der Rohstoffboom hatte das Ölland Kanada begünstigt, das täglich etwa 2,75 Millionen Barrel Öl produziert und der wichtigste Öllieferant der USA ist. Mit steigenden Ölpreisen und den Investitionen in die Ölsandindustrie Albertas floss viel Geld nach Kanada, die Nachfrage nach dem "Loonie" stieg. Hinzu kam ein wilder Wettbewerb um den Aufkauf kanadischer Rohstoffunternehmen. Er gipfelte in der Übernahme des Aluminiumriesen Alcan durch Rio Tinto vor Jahresfrist. Auch dies machte den kanadischen Dollar zu einer gefragten Währung.

Jetzt ist es an der Übernahmefront wegen des Rückgangs der Rohstoffpreise und der Schwierigkeiten, Milliardengeschäfte zu finanzieren, ruhiger geworden. Davis sieht für die Währung das Risiko einer "Erosion in Richtung auf das 75-US-Cent-Niveau". Benjamin Reitzes von BMO (Bank of Montreal) Capital Markets sieht ebenfalls "potenziell weniger Geld nach Kanada fließen", was den Druck nach unten verstärken werde.

Allerdings zeigen sich Analysten gleichzeitig überzeugt, dass der Preisverfall des Dollars überzogen ist. "Kanadas Wirtschaft ist besser positioniert als viele andere", urteilt Shaun Osborne von TD (Toronto Dominion) Securities. "Wir haben in der Leistungsbilanz und im Bundeshaushalt Überschüsse." Langfrisitig werde dies dem kanadischen Dollar helfen, wenn die Märkte "wieder zu rationalen Entscheidungen zurückkehren".

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