Devisenhandel
Zinsspekulationen treiben Euro auf Drei-Wochen-Hoch

Spekulationen auf Zinserhöhungen in der Euro-Zone haben den Euro am Dienstag auf den höchsten Stand seit drei Wochen gehievt. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,5674 Dollar und reagierte damit auf Aussagen von ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

rtr FRANKFURT. Franz hatte nach der Veröffentlichung des ZEW-Konjunkturindex gesagt, er gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in naher Zukunft anheben werde. Nach Einschätzung von Franz legten die jüngste Äußerungen von EZB-Notenbankern den Schluss nahe, dass sie mehr zur Eindämmung der Inflation tun müssten. „Damit wurde die Euro-Nachfrage angefacht“, kommentierte ein Händler. Im späten Vortagesgeschäft war die Gemeinschaftswährung noch um 1,5516 Dollar gehandelt worden.

Am Rentenmarkt reagierte der richtungsweisende Bund-Future mit Gewinnabgaben. Der Kontrakt lag gegen Mittag noch 19 Ticks höher bei 113,44 Zählern. Zuvor hatte er bis zu 36 Ticks zugelegt. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 4,2 Prozent. Die EZB hält seit Ausbruch der US-Immobilienkrise im Sommer vergangenen Jahres an einem Leitzins von 4,0 Prozent fest. Wegen der sich global eintrübenden Konjunkturaussichten waren immer wieder Zinssenkungsspekulationen am Markt aufgekommen. Die Notenbank verwahrte sich aber dagegen mit stetigem Hinweis auf die Inflationsgefahren.

Trotz des starken Jahresauftakts bewerteten Börsenanleger und Analysten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Mai schlechter als noch vor einem Monat. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank unerwartet deutlich auf minus 41,4 Punkte. Die aktuelle Lage wurde dagegen besser beurteilt als prognostiziert. „Die Verbesserung der Einschätzung der aktuellen Lage relativiert die eingetrübte Erwartungshaltung, und von daher fallen die Äußerungen zu den Zinserhöhungen offenbar auf recht nahrhaften Boden“, kommentierte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Als aussagekräftiger als den ZEW-Index beurteilen viele Marktteilnehmer den am Mittwoch anstehenden Ifo-Index. „Hier rechnen wir mit einem ähnlichen Ergebnis: Die Erwartungen dürften auf dem Niveau des Vormonats liegen, bei der Lage gehen wir von einer gewissen Gegenbewegung nach oben aus“, sagte Volkswirt Jörg Lüschow von der WestLB.

Eine vergleichsweise hohe Nachfrage verzeichnete auch der Schweizer Franken. Für einen Dollar mussten 1,04 Franken gezahlt werden, im späten Vortagesgeschäft waren es 1,0528 Franken. Händler verwiesen auf die Kursverluste an den europäischen Börsen. Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten werde der Franken als vermeintlich sicherer Hafen gesucht. Zusätzlicher Treiber seien weiter gestiegene Produzenten- und Importpreise im April, die Spekulationen auf Zinssenkungen dämpften.

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