Devisenmärkte
Anleger fliehen vor dem Risiko

Rezessionsängste, Zinssenkungsfantasien und Kursstürze bei den Rohstoffpreisen. Wegen der Turbulenzen auf den Märkten kehren die Anleger den Schwellenmärkten und rohstoffreichen Ländern den Rücken. Das belastet weltweit die Devisenkurse - nur zwei Währungen profitieren.

FRANKFURT/WIEN. Zwei Gewinner, viele Verlierer: Mit nur vier Worten lässt sich das Bild an den internationalen Währungsmärkten derzeit beschreiben. Dafür, dass Dollar und Yen in den vergangenen Tagen und Wochen so massiv an Wert gewonnen haben, während der Euro, das britische Pfund und nahezu alle Währungen aus den Schwellenländern unter Druck stehen, gibt es eine Vielzahl an Gründen: Rezessionsängste, Zinssenkungsfantasie und abziehendes Spekulantengeld, Kurssturz bei den Rohstoffpreisen und ein durch die Finanzkrise völlig verändertes Weltbild haben dazu geführt, dass nach Aktien, Derivaten und Rohstoffen nun auch der internationale Devisenmarkt heftig in Turbulenzen gerät.

In großen Sprüngen haben speziell die Währungen aus Schwellenländern und den großen, rohstoffexportierenden Ländern zuletzt an Wert verloren. Gerade Staaten wie Russland, Australien, Brasilien, Mexiko oder Südafrika, deren Währungen noch bis Mitte des Jahres enorm vom Rohstoffhunger der aufstrebenden Länder profitiert haben, bekamen die Preishalbierung der vergangenen drei Monate bei Öl und Silber, Nickel und Weizen deutlich zu spüren. Binnen einer Woche hat beispielsweise der südafrikanische Rand gut 30 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Ein ähnliches Bild geben viele andere Währungen ab.

Eine Erklärung dafür ist das Zusammenspiel aus Carry-Trades, also der günstigen Kreditaufnahme in Niedrigzinsländern und der Anlage in Hochzinsländern wie vielen Emerging Markets, dem dortigen Konjunkturboom und der starken Nachfrage nach Rohstoffen. Historisch betrachtet, verliefen Rohstoffzyklen immer parallel mit Wachstumszyklen in den Schwellenländern. "Viele Investoren haben sich zuletzt aber weit vom Ursprung dieser Investmentidee entfernt und sich mit billigem Geld in die riskantesten Anlageklassen der Schwellenländer eingekauft", sagt Glenn Maguire von der französischen Großbank Société Générale.

Weil die Rohstoffpreise weiter stiegen, die allgemeine Wirtschaftsentwicklung aber ab Frühjahr 2007 erste Zeichen von Schwäche zeigte, kommt die jetzige Entwicklung einer Marktbereinigung gleich. "Der Abstand schließt sich seit zwei Monaten in einer sehr scharfen und schnellen Art und Weise" sagt Maguire.

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