Devisen + Rohstoffe
Devisenmärkte hängen am Tropf der Politik

Aus charttechnischer Sicht deutet sich noch nicht an, ob der Dollar in den nächsten Wochen gegenüber dem Euro schwächeln wird.

DARMSTADT. So lag der Hochkurs des Euros zum Dollar von letzter Woche oberhalb des Hochs vom Mai. Das Szenario einer Doppel-Spitze und eines dann wieder schwächer tendierenden Euros ist damit noch nicht aus der Welt. Erst bei Kursen, die drei Prozent oberhalb des Mai-Hochs liegen, kann man von einem signifikanten Ausbruch des Euros aus seiner Trading-Range sprechen. Allerdings liegt bei 1,2235 $ ein starker Widerstand; erst wenn der überwunden wird, ist aus technischer Sicht Raum bis 1,40 $ gegeben.

Die klassische Charttheorie auf die Devisenmärkte anzuwenden ist ohnehin eine trickreiche Angelegenheit. So spielen politische Interessen eine große Rolle. Ende August war die europäische Devise aus ihrem Aufwärtstrend ausgebrochen und unter ihren 200-tägigen gleitenden Durchschnitt gefallen. Dann erhielt sie Rückenwind, und diese Episode erwies sich als Bärenfalle – typisch für den Devisenmarkt.

Historisch gesehen gibt es ein häufig auftretendes saisonales Muster: In den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel kommt es regelmäßig zu einem fallenden Dollar. Anfang Januar dreht sich diese Bewegung um und der Dollar gewinnt an Fahrt. In Präsidenten-Wahljahren kommt es, insbesondere wenn der Greenback im Vorjahr schwächer war, zumindest zum Jahresanfang zu starken Gegenbewegungen. Auch dritte Quartale sehen historisch gut für den Dollar aus.

Die Bush-Regierung ist dabei, ein Gesetz zu verabschieden, das es ausländischen Töchtern US-amerikanischer Unternehmen ermöglicht, Gewinne zu einem Satz von lediglich 5,25 % zu repatriieren – anstatt der sonst üblichen 35 %. Dieses auf das Wahljahr 2004 befristete Steuergeschenk könnte zu massiven Kapitalflüssen in den Dollarraum führen. Ein im Dezember weiter starker Euro könnte Anleger in eine Bullenfalle führen. Dazu kommt: Ein Blick auf das Verhalten institutioneller Anleger zeigt, dass trotz bereits gut besicherter Dollar-Positionen dynamisch neue Euro-Bestände aufgebaut werden. Solch eine Dynamik steht meist eher am Ende eines Trends als in seiner Mitte.

Felix Pieplow ist Finanzmarkt- und Wirtschaftsanalyst in Darmstadt.

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