Devisenmarkt
Anleger blicken unsicher auf Notenbanken

Werden Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed verstärkt in den Markt eingreifen? Diese Frage stellen sich derzeit offenbar viele Investoren am Devisenmarkt. Die Unklarheit wirkt sich auf den Euro-Kurs aus.
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FrankfurtDas weitere Vorgehen der Notenbanken in der Schuldenkrise lässt die Anleger am Devisenmarkt auch am Donnerstag nicht los. Die Frage, ob und wann Fed und EZB frisches Geld in die Finanzmärkte pumpen, ist und bleibt Thema Nummer eins. Neue Nahrung erhielten die Spekulationen am Nachmittag von US-Konjunkturdaten.

Die US-Wohnbaubeginne gingen im Juli überraschend um 1,1 Prozent auf eine Jahresrate von 746.000 Einheiten zurück. Experten hatten im Schnitt 757.000 Einheiten erwartet. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe übertraf mit 366.000 die Prognose um 1000.

„Die Zahlen waren durchwachsen", sagte Devisenstratege Brian Kim von RBS Securities. „Sie decken sich mit unserer Prognose, dass sich das US-Wachstum etwas beschleunigen wird, allerdings nicht so stark wie einige denken." Er rechne weiterhin mit einem neuen Anleihe-Ankaufprogramm der Fed (QE3) im September.

Vor diesem Hintergrund geriet der Dollar unter Druck. Der Euro kletterte auf 1,2314 Dollar, nach 1,2287 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Das Pfund Sterling war mit 1,5734 Dollar so teuer wie seit Monatsbeginn nicht.

Am Rentenmarkt erholte sich der Bund-Future etwas von seinen Verlusten der vergangenen Tage und legte 43 Ticks auf 141,84 Punkte zu. Bei den Anleihen konzentriert sich die Diskussion auf mögliche Anleihe-Käufer der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Unterstützung kriselnder Staaten wie zum Beispiel Spanien. Notenbank-Chef Mario Draghi hatte dies in Aussicht gestellt, sofern diese Länder zuvor EU-Hilfen beantragen und sich den damit verbundenen Spar- und Reformauflagen unterwerfen.

„Bei so einem potenziellen Ereignis würde normalerweise Geld auf den einen oder anderen Ausgang gesetzt", sagte ein Händler. Derzeit traue sich aber niemand, irgendwelche größeren Wetten einzugehen. „Dies zeigt die große Verunsicherung", fügte er hinzu. Nordea-Zinsstratege Niels From urteilte ähnlich. „Alles hängt an den Signalen der EZB. Was genau werden sie tun und wann?" Außerdem bleibe unklar, ob Spanien über die beantragten Hilfen für den Bankensektor hinaus komplett unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen werde.

Bei den Anleihen des iberischen Staates setzte sich die Entspannung am Donnerstag fort. Die Rendite der zehnjährigen Titel verringerte sich auf 6,595 Prozent, diejenige der zweijährigen Bonds lag fast unverändert bei 4,183 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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