Devisenmarkt
Euro fällt und fällt und ...

Der Rückzug der Anleger aus risikoreichen Anlagen nimmt immer dramatischere Formen an. Am Freitag geriet vor allem das Pfund Sterling unter die Räder, was Händler mit ersten konkreten Hinweisen auf eine Rezession in Großbritannien begründeten.

HB FRANKFURT. Der Euro fiel erstmals seit Oktober 2006 wieder unter 1,26 Dollar. und notierte mit fast 1,25 Dollar am Morgen vier US-Cents niedriger als noch am Vorabend in New York. Das Pfund Sterling sackte um zehn US-Cent unter 1,53 Dollar erstmals seit fünf Jahren deutlich unter 1,60 Dollar ab.

„Die Welle der Repatriierung geht weiter“, fasste Helaba-Analyst Ralf Umlauf zusammen. Die auf Kredit finanzierten Zinsdifferenzgeschäfte – sogenannte Carry-Trades – würden weiter aufgelöst. Davon profitierte der Yen, was auch den Dollar gegenüber der japanischen Währung unter Druck brachte.

Die US-Währung, die ansonsten gegenüber fast allen Währungen massiv zulegen kann, stürzte auf fast 91 (Vortagesschluss 97,98) Yen ab und notierte damit so niedrig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Zum Wochenbeginn hatte der Dollar noch bei 102 Yen notiert. Auch der Euro setzte seine Talfahrt zum Yen fort und fiel um rund zehn Prozent auf 114,75 Yen. Zum Wochenbeginn hatte der Euro noch 138 Yen gekostet. „Hier herrscht eine extreme Risikoscheu“, erklärte ein Händler. „Wir sehen Abflüsse in den Yen sowie in den Dollar.“ Die Einbrüche an den Aktienbörsen in Asien und Europa drückten die Stimmung zusätzlich und verschärften die Positionsauflösungen.

Das gilt Händlern zufolge auch für die schlechten Konjunkturdaten aus der Euro-Zone und Großbritannien. So beschleunigte sich die Talfahrt der privaten Wirtschaft in der Euro-Zone, wie aus dem vorläufigen Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. „Die Daten sind nicht nur schlecht, sondern grottenschlecht“, erklärte Postbank-Analyst Brian Mandt. „EZB wird ihren Leitzins senken und damit versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen“, fügte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus, hinzu.

Zwar rechnen Analysten auch für die USA mit Zinssenkungen. Derzeit wird die Wahrscheinlichkeit auf eine Zinssenkung in den USA um weitere 50 Basispunkte auf 1,0 Prozent mit 100 Prozent eingeschätzt, und selbst eine Senkung unter 1,0 Prozent wird nicht ausgeschlossen. Doch habe die EZB noch einen weiteren Weg nach unten zu überwinden, erklärte ein Händler. In der Euro-Zone stehen die Zinsen bei 3,75 Prozent.

Während viele Analysten in den Konjunkturdaten kaum eine Berechtigung für den Kursverfall des Euro sehen, sind andere der Ansicht, dass die Rezessionsängste dem Dollar helfen. „Denn der Markt traut den USA zu, sich schneller aus dem konjunkturellen Tal zu befreien“, erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Händler vermuten auch, dass die zunehmenden Probleme osteuropäischer Länder auf dem Euro lasten. So brach die Währung Ungarns - trotz einer drastischen Zinserhöhung in dieser Woche - am Freitag weiter ein. Der Euro verteuerte sich um über vier Prozent auf über 224 Forint. Das britische Pfund geriet auch angesichts schwacher Wachstumsdaten stark unter Druck. So schrumpfte die britische Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit 1992 und ist damit auf dem Weg in die Rezession. Das Pfund stürzte um rund acht US-Cent unter 1,55 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie seit Ende 2002 nicht mehr.

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