Devisenmarkt
Euro steuert auf Rekordkurs

Die neuen Krisenmeldungen um Fanny Mae und Freddy Mac zeigen: die USA bleiben das Zentrum der Krise. Das wirkt sich auch auf den Devisenmarkt aus: Der Euro wird wohl weiter steigen, Experten prognostizieren schon ganz neue Preisdimensionen.

FRANKFURT. Die Sorge um die US-Hypothekenfinanzierer hat gestern am Devisenmarkt für Bewegung gesorgt. Der Aufwärtsdrang des Euros in Richtung der Marke von 1,60 Dollar am Wochenende wurde zunächst gestoppt. Nachdem die US-Regierung eine staatliche Stützungsaktion für Fannie Mae und Freddie Mac ankündigte, bekam stattdessen der Dollar etwas Rückenwind. Mit Kursen um 1,59 Dollar je Euro hielt sich der Euro aber in Reichweite seines Rekordhochs bei 1,6019 Dollar vom 22. April.

Ein Anstieg auf neue Höhen ist für viele Experten ein realistisches Szenario. Zwar halten die meisten Bankfachleute den Euro, der noch zu Jahresbeginn rund 15 Cents niedriger notierte, für überbewertet. Allerdings spricht die Stimmung am Markt vorerst nicht für eine Trendwende am Devisenmarkt.

"Die vernichtenden Nachrichten aus den USA sind derzeit richtungsweisend", sagt Eugen Keller, Devisenstratege beim Bankhaus Metzler. "Das Epizentrum der Krise bleibt die USA. Und die öffentlichen Auftritte von Finanzminister Paulson und Fed-Chef Bernanke wirkten keineswegs beruhigend." Unter dem Strich fühlten sich Investoren im überbewerteten Euro wohler als im Dollar. "Es spricht einiges dafür, dass wir die 1,60 Dollar überschreiten werden", meint Keller.

"Kurzfristig wiegen die Belastungsfaktoren für den Dollar sicherlich schwer", sagt auch Rainer Sartoris, Devisenexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Die Hoffnung, dass im US-Bankensektor das Schlimmste überstanden ist, hat sich nicht bestätigt. Das kann noch mal auf den Dollar durchschlagen."

Sollte der Euro seine bisherige Höchstmarke von 1,6019 Dollar vom 22. April dieses Jahres übertreffen, sehen ihn Tom Fitzpatrick und Shyam Devani von der Citigroup in ganz neue Dimensionen vorstoßen. Das technische Muster spreche für einen Anstieg bis auf 1,69 Dollar im September, schrieben sie jüngst in einer Studie.

Dass es so weit kommt, kann sich Hans-Günter Redeker, Leiter der weltweiten Währungsstrategie bei BNP Paribas, allerdings nicht vorstellen. Er rechnet bei Euro-Kursen von 1,60 Dollar mit koordinierten Interventionen der Notenbanken zugunsten des Dollars: "Die Zeit, in der die USA den schwachen Dollar mit Wohlwollen gesehen haben, ist vorbei", meint Redeker. "Der Wertverfall des Dollars wirkt stark inflationstreibend. Zum einen treibt er die Rohstoffpreise nach oben. Zum anderen verschärft er die Teuerung in den Ländern, die ihre Währungen an den Dollar gekoppelt haben", erklärt der BNP-Stratege.

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