Devisenmarkt
Euro unterbricht Rekordjagd

Der Dollar hat mit seinem höchsten Tagesgewinn seit einem Jahr am Montag die Rekordjagd des Euro unterbrochen. Devisenhändlern zufolge geriet der Euro am Montag vor allem wegen Yen-Käufen unter Druck. „Das hat den Euro auch gegenüber dem Dollar runtergezogen“, sagte ein Devisenhändler. „Wir nähern uns dem Jahresende, die Leute streichen Gewinne ein“, erklärte ein weiterer Händler die Yen-Käufe.

HB FRANKFURT. Wegen einer zunehmenden Risikoaversion seien vor allem Carry Trades aufgelöst worden. Dabei leihen sich Anleger niedrig verzinste Yen und verkaufen sie gegen höher verzinste Währungen wie den Euro oder den australischen Dollar. Für einen Euro mussten am Nachmittag gut 161 Yen bezahlt werden nach rund 165 Yen zum Wochenschluss.

Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung um Werte von 1,4190 Dollar, nachdem sie noch am Morgen mit 1,4348 Dollar so teuer wie noch nie gewesen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs des Euro am Montag auf 1,4166 (Freitag 1,4288) Dollar fest. Im Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) notierte der Euro bei 1,4178 (1,4258) Dollar.

„Der Lack scheint ein bisschen ab“, sagte Stratege Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. „Die Leute sind beim Euro etwas vorsichtiger geworden, weil er stark überbewertet ist.“ Außerdem sei das geopolitische Szenario angesichts der Spannungen im Mittleren Osten und des hohen Ölpreises nicht einfacher geworden. „Der Markt hat darüber eine ganze Weile hinweggeschaut, jetzt ist der Dollar wieder gefragt“, sagte Keller. Die US-Währung ist wegen ihrer Rolle als Welt-Reservewährung in politisch schwierigen Zeiten meist gefragt.

Damit war am Montag die Stimmung gegenüber dem Greenback innerhalb weniger Stunden umgeschlagen. Am Morgen hatte er Experten zufolge noch unter dem Ausgang des G-7-Treffens gelitten. Die Finanzminister der sieben größten westlichen Industrienationen haben bei ihrem Treffen in Washington in den offiziellen Dokumenten keine Aussagen zur Schwäche der US-Währung gemacht. Im Vorfeld des Treffens war spekuliert worden, dass Äußerungen zur US-Währung diese stabilisieren könnten.

Allerdings könnte der Dollar auch bald schon wieder unter Druck kommen. An den Märkten wird wegen der schwachen US-Konjunktur in Folge der Hypotheken- und Kreditkrise mit einer Zinssenkung durch die Notenbank Fed noch in diesem Monat gerechnet. „Es bleibt viel Zinssenkungsfantasie im Markt“, sagte HSBC-Analyst Rainer Sartoris. Eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank würde Anlagen in Dollar weniger attraktiv machen und den Euro stärken. Derzeit liegt der wichtigste Leitzins in den USA bei 4,75 Prozent, in der Eurozone bei 4,0 Prozent. Aktuell erwarten Experten keine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Allerdings sorgten der hohe Ölpreis von knapp unter 90 Dollar pro Fass und steigende Strompreise für Preisdruck, sagte Saroris. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hat am Montag wie zuvor schon Bundesbankpräsident Axel Weber vor einer kräftig steigenden Teuerung in der Euro-Zone gewarnt. Er wolle weitere Zinssenkungen nicht ausschließen, sagte er in einem Zeitungsinterview.

Von der zurückgehenden Risikoneigung am Markt profitierten zu Wochenbeginn die Festverzinslichen. Der als richtungweisend geltende Bund-Future legte um 48 Ticks auf 113,87 Punkte zu. Die zehnjährige Bundesanleihe kletterte um 19 Ticks auf 100,54 Zähler zu und rentierte mit 4,177 Prozent. Die von der Bundesbank täglich errechnete Umlaufrendite börsennotierter öffentlicher Anleihen fiel leicht auf 4,20 Prozent.

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