Devisenmarkt
Händler sehen Euro bald bei 1,40 Dollar

Nach der deutlichen Leitzinssenkung in den USA rechnen Devisenhändler damit, dass der Euro bald erstmals die Marke von 1,40 Dollar überspringt. Am Mittwoch schwankte die Gemeinschaftswährung im Tagesverlauf zwischen 1,3855 und 1,3875 Dollar, nachdem sie in der Nacht auf einen Rekordwert von 1,3988 Dollar geklettert war.

HB FRANKFURT. Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend den für die Refinanzierung der Banken zentralen Zielsatz für Tagesgeld um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent reduziert - die erste Zinssenkung seit mehr als vier Jahren. Dies war ein größerer Schritt als von vielen Experten erwartet. Damit schwindet der Zinsabstand zwischen den USA und der Eurozone weiter. Der Schlüsselzinssatz der Europäischen Zentralbank beträgt genau vier Prozent. Anlagen in Euro werden somit im Vergleich zum Dollar attraktiver, was die Gemeinschaftswährung stärkt.

„Wir gehen von einem Test der 1,40er-Marke aus“, sagt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Nach dem möglichen Überspringen des Wertes sieht er allerdings keinen beschleunigten Aufwärtstrend. „Es gibt dann wohl eher eine Konsolidierung um diesen Wert herum. „Wenn es aber weitere negative Konjunkturdaten in Europa gibt, dann sehe ich Erholungspotenzial für den Dollar.“

Allerdings wird am Markt zunächst eine weitere Zinssenkung der Fed noch in diesem Jahr erwartet, wenn die Konjunkturdaten in der weltgrößten Volkswirtschaft weiter eine leichte Eintrübung des Wirtschaftsklimas signalisieren. Zwölf von 18 an der Wall Street von Reuters befragte Händler rechnen mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bereits im Oktober, die übrigen sechs erwarten diesen Schritt für Dezember. Sollte die Fed die Geldpolitik über die 25 Basispunkte hinaus lockern, begebe sie sich „eindeutig auf expansives Terrain“ und zeige damit, „dass deutliche Anzeichen für eine gravierende Abschwächung“ vorlägen, schreiben die Analysten der DekaBank.

Die EZB legte am Mittag den Referenzwert des Euro mit 1,3875 Dollar fest. Im Referenzkursverfahren der Banken EuroFX wurde der Wert mit 1,3855 Dollar ermittelt.

Im Zuge der starken Kursgewinne an den Aktienmärkten haben die europäischen Staatsanleihen nachgegeben. Der Bund-Future lag 38 Ticks niedriger bei 113,26 Stellen. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 4,265 Prozent. Der Rex-Rentenindex notierte 0,37 Prozent im Minus bei 115,0845 Punkten. „Es gab deutliche Umschichtungen aus dem sicheren Hafen der Staatsanleihen hin zu den Aktien, das hat den Markt gedrückt“, sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burckhardt. Zudem habe den Markt belastet, dass der US-Rentenmarkt nach der Zinsentscheidung auf ein neues Tief gefallen sei. Ohne Auswirkungen auf den Rentenmarkt blieben am Nachmittag neue Daten zum US-Immobilienmarkt, die hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieben. „Der Bund-Future zeigt sich wenig beeindruckt von den Zahlen und kann sich nicht nennenswert aus seiner schwachen Lage befreien“, erklärt Umlauf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%