Devisenmarkt: Japan interveniert gegen hohen Yen

Devisenmarkt
Japan interveniert gegen hohen Yen

Die japanische Regierung stoppt den Höhenflug des Yen. Am Mittwoch kaufte Tokio über die Notenbank große Dollar-Bestände auf und bremste so die Landeswährung aus. Gleichzeitig machte die Regierung klar, dass dies kein einmaliges Manöver bleiben wird. Die Börsen feierten umgehend die verbesserten Exportchancen.
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FRANKFURT/TOKIO. Der Sieg war erst wenige Stunden alt: Am Dienstag bestätigte die regierende Demokratische Partei Japans Premier Naoto Kan gegen einen Rivalen als Parteichef. Die erste Entscheidung folgte auf dem Fuß: Kan will den Höhenflug des Yens stoppen, koste es, was es wolle. Er will nicht länger mit ansehen, wie die heimische Wirtschaft leidet. Erstmals seit 2004 griff die Regierung am Mittwoch am Devisenmarkt ein, um den Höhenflug des Yens zu stoppen. Über die Zentralbank kaufte sie Dollar und verkaufte Yen.

Der führenden japanischen Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai" zufolge setzte die Regierung am Mittwochnachmittag die Interventionen am Devisenmarkt in London fort. Insgesamt soll Tokio demnach in einer Größenordnung von einer Billion Yen oder umgerechnet rund 9,3 Mrd. Euro interveniert haben. Bestätigt wurde dies nicht. Ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, sagte lediglich, dass "sehr viel Geld" eingesetzt worden sei.

US-Finanzminister Timothy Geithner wusste es wohl schon, als er vergangene Woche ein Interview gab. Zu den Aussichten einer Intervention Japans am Devisenmarkt befragt, sagte er, Japans Wirtschaftspolitiker sollten tun, was sie können, um ihrer Wirtschaft zu helfen. Am Mittwoch dann zeigte Kans Regierung, was sie darunter versteht. Der Dollar war zuvor unter die Marke von 83 Yen gefallen. Damit war die japanische Währung so teuer wie seit 15 Jahren nicht mehr. Es sei ein Alleingang Japans gewesen, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Tokio. Die internationalen Partner seien aber informiert gewesen. Europa war japanischen Regierungskreisen zufolge nicht begeistert.

Keine einmalige Aktion

Noda machte deutlich, dass die Intervention nicht als einmalige Aktion gedacht ist. "Wir werden entschieden eingreifen, wenn nötig, Marktinterventionen eingeschlossen", sagte der Finanzminister. Zentralbankchef Masaaki Shirakawa rechtfertigte den Schritt und schob den Amerikanern den Schwarzen Peter zu. Die "zunehmenden Unsicherheiten über die Zukunft, insbesondere für die US-Wirtschaft", hätten den Schritt verlangt.

Händlern zufolge kaufte die japanische Notenbank Dollar bei einem Kurs von rund 83 Yen. "Mit der heutigen Aktion hat die japanische Regierung ihren Willen unterstrichen, den wilden Anstieg des Yens zu stoppen", sagte Daisaku Ueno, Präsident des Gaitame.com Research Instituts, einer Einheit von Japans größtem Devisenhändler. "Diese Aktion kommt zu spät, aber besser als gar nicht."

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