Devisenmarkt-Prognose
Ausblick: Schwere Hypotheken für den Dollar

„Alles, nur nicht den Dollar.“ So lautet am Freitagmorgen die Überschrift des allmorgendlichen Devisenkommentars von ABN Amro. Zu diesem Zeitpunkt ist die US-Währung zum Euro auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember 2006 gefallen.

HB DÜSSELDORF. Der Euro hat die Hürde bei 1,33 USD übersprungen. Doch der Greenback verliert nicht nur zum Euro an Boden, sondern zu allen großen Währungen. Auf die kurze Formel „Hypothekenkredite“ bringen Beobachter die Erklärung für die Schwäche des Dollar. Der Markt für Immobiliendarlehen mit niedriger Bonität in den USA wird derzeit von einer Krise geschüttelt. Sollten weitere Finanzierer Konkurs anmelden, drohen Ausfälle in Milliardenhöhe.

Doch es geht um mehr als nur dieses Marktsegment. Die großen Banken würden ebenfalls auf den Großkrediten sitzen bleiben, die sie den Hypothekenanbietern gegeben haben. „Dem Kreditkarussel droht eine Vollbremsung“, meint Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Angesichts der steigenden Zahl fauler Kredite werde sich kaum noch jemand finden, der seinerseits die neu verpackten „Loans“ der Investmentbanken übernimmt. „Ein Platzen der Immobilienblase würde schlussendlich auch den amerikanischen Konsum in die Tiefe ziehen“, folgert der Devisenexperte.

Dass es sich nicht um „Peanuts“ handelt, haben die Marktstrategen von Credit Suisse unlängst ausgerechnet. Der von ihnen prognostizierte Einbruch an den Immobilienmärkten von New York bis San Francisco und von Chicago bis Miami würde das Bruttoinlandprodukt um 1% bis 1,5% oder 200 Mrd USD schmälern. Zusätzliches Gewicht erhält diese Prognose mit dem Hinweis, dass die USA rund ein Fünftel zum globalen Wachstum beisteuern.

Wie sensibel die Finanzmärkte gegenwärtig auf das Thema reagieren, zeigt ein Seitenblick auf den Aktienmarkt: Nachdem sich der Finanzchef der Investmentbank Bear Stearns am Donnerstag optimistisch zum Hypothekengeschäft im ersten Quartal geäußert hatte, schoss die Bear-Stearns-Aktie in die Höhe. Mit großem Interesse wurden an den Märkten auch die warnenden Worte des ehemaligen Notenbank-Chefs Alan Greenspan zur Kenntnis genommen. Dieser sieht jedoch von fallenden Hauspreisen ein noch größeres Risiko für die Konjunktur ausgehen als von den notleidenden Hypothekendarlehen.

Der Blick richtet sich nun auf die Federal Reserve. An den Bondmärkten ist eine Zinssenkung um 50 Basispunkte in diesem Jahr mittlerweile eingepreist. „Einige scheinen sich immer noch auf kräftige Leitzinssenkungen im Krisenfall zu verlassen“, kommentiert Cognitrend, die täglich im Auftrag der Deutschen Bank der Stimmung am Devisenmarkt nachspürt. Die Trendforscher weisen jedoch darauf hin, dass der Notenbank-Chairman nicht mehr Alan Greenspan, sondern Ben Bernanke heißt. „Und dem lässt das momentane Umfeld hoher Inflationsraten wenig Spielraum für Zinssenkungen“, so Cognitrend. „Die Federal Reserve ist derzeit nicht zu beneiden“, attestiert Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Aber vielleicht kommt ja alles gar nicht so schlimm. Volkswirte, Analysten und Strategen weisen darauf hin, dass der Konsum der US-Bürger - und damit immerhin mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung - vom Arbeitsmarkt abhängen. „Der US-Verbraucher zeigt sich aufgrund der soliden Arbeitsmarktlage weiterhin in Kauflaune“, stellt Eugen Keller von der Metzler Bank fest. Credit Suisse argumentiert mit den Personalkosten. Diese hätten die Unternehmen im Aufwärtszyklus besser als in vergangenen Zyklen in den Griff bekommen. „Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass (im Abwärtszyklus) eine starke Abschwächung des Beschäftigungswachstums sehr unwahrscheinlich ist.“

Sollte Steven Saywell von der Citigroup recht behalten, dann hat der Immobilienmarkt in den USA sogar schon das Schlimmste hinter sich. „Die Forderungsausfälle im vierten Quartal 2006 sind eher ein nachlaufender als ein Frühindikator“, meint der Stratege. Zwar dürften die Ausfälle in den kommenden Monaten weiter steigen. Die Verlaufskurve der überfälligen Kreditrückzahlungen decke sich jedoch mit der Zinskurve - dies spreche gegen das Argument überschießender Notlagen bei den Hypothekendarlehen. Saywell rechnet schon im zweiten Quartal - und dann bis zum Jahresende - mit einem Wirtschaftswachstum von 3,0% bis 3,1%. In diesem Szenario dürften Investoren wieder den Dollar favorisieren. Den Euro sieht Saywell zum Jahresende bei 1,25 USD.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%