Devisenmarkt
Spanien-Sorgen setzen dem Euro weiter zu

Anleger fürchten den Kollaps des spanischen Bankensektors. Das färbt zunehmend auch auf Italien ab. Die Rendite für sechsmonatige Papiere stieg auf 2,104 Prozent.
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FrankfurtDie sich zuspitzende Schuldenkrise in Spanien versetzt die Anleger am Devisenmarkt weiter in Aufruhr. Der Euro hielt sich mit 1,2529 Dollar nur knapp über seinem Zwei-Jahres-Tief, der gern als sicherer Hafen angesteuerte Bund-Future markierte mit 144,58 Punkten ein neues Rekordhoch. Anleger fürchten zunehmend, dass Spanien seine Bankenkrise ohne internationale Hilfsgelder nur schwer in den Griff bekommen dürfte. „Bereits Griechenland, Irland und Portugal haben bis zur letzten Minute behauptet, es ohne fremde Hilfe schaffen zu können, bevor sie schließlich Hilfe in Anspruch nehmen mussten“, schrieb Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz in einem Kommentar.

Zuletzt sorgten gleich mehrere Nachrichten aus Spanien für neue Schockwellen. Zum einem bat ausgerechnet die reichste autonome Region des Landes, Katalonien, die Zentralregierung um Finanzierungshilfe. Zum anderen kommt die schwächelnde Bankenbranche nicht auf die Beine.

Die Sparkasse Bankia meldete einen Finanzierungsbedarf von zusätzlich 19 Milliarden Euro. Der Mutterkonzern BFA korrigierte seine Unternehmensergebnisse für 2011 und weist nun einen Milliardenverlust aus. Nach Reuters-Informationen will Spanien Bankia nun mit Hilfe neuer Schulden rekapitalisieren.

Viele Experten fürchten, dass sich die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone übernehmen könnte. „Spanien muss sein Reform- und Sparprogramm durchdrücken und gleichzeitig seine Banken retten. Das ist nicht gerade leicht“, sagte Helaba-Analystin Viola Julien.

Eine Auktion italienischer Anleihen trug ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Das südeuropäische Land musste Anlegern für sechsmonatige Papiere mehr Rendite als zuletzt bieten. Sie kletterte auf 2,104 Prozent, bei der vorigen Emission betrug die Rendite noch 1,772 Prozent. Die Auktion war 1,6-fach überzeichnet (zuvor: 1,7-fach).

„Das ist kein katastrophales Ergebnis, aber die Zahlen zeigen doch, dass das Umfeld vor allem wegen der Sorgen um Spanien immer schwieriger wird", urteilte Helaba-Analystin Julien. Die wahre Nagelprobe dürfte allerdings am Mittwoch folgen, wenn Italien Anleihen mit langer Laufzeit von fünf und zehn Jahren zum Verkauf anbietet.

Am Sekundärmarkt rentierten zehnjährige italienische Anleihen bei 5,89 Prozent, ihre spanischen Pendants bei bis zu 6,76 Prozent. Damit lagen sie nur noch knapp unter dem Rekordniveau von 6,8 Prozent vom November vergangenen Jahres - noch vor den milliardenschweren EZB-Geldspritzen für den europäischen Bankensektor. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen markierten mit einer Rendite von 1,346 Prozent dagegen ein neues Rekordtief. Nun seien Anleger gespannt, ob Spanien die Renditemarke von sieben Prozent knacke, hieß es von Händlern. Die drei Länder, die bislang Rettungsgelder in Anspruch genommen haben, also Irland, Portugal und Griechenland, hatten ihre Hilfsanträge jeweils gestellt, kurz nachdem diese kritische Rendite-Marke übersprungen worden war. (Reporter: Daniela Pegna und Kirsti Knolle; redigiert von Ralf Banser)


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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