Devisenreserven
China deutet Abkehr vom Dollar an

Ende September beliefen sich die chinesischen Währungsreserven auf 1 434 Milliarden US-Dollar, der Großteil davon ist Schätzungen zufolge in US-Staatsanleihen investiert. Nun hat die Führung in Peking eine Umschichtung zugunsten des Euro angedeutet und dem Greenback einen neuerlichen Dämpfer verpasst.

HB PEKING. Die Büchse der Pandora geöffnet hatte Cheng Siwei, der stellvertretende Vorsitzende des Ständigen Ausschusses im Nationalen Volkskongress. Er hatte bei einem Forum am Mittwoch gesagt: „Wir sollten Vorteile aus der Aufwertung starker Währungen ziehen, um die Abwertung schwacher Währungen auszugleichen“ China könne zum Beispiel beim Kauf von Staatsanleihen gegen Devisen die Aufwertung des Euro und die Dollar-Schwäche gegenüber dem Yuan berücksichtigen.

Ein solcher Schritt würde den Dollarkurs weiter unter Druck setzen. Zudem wäre mit steigenden Zinsen in den USA zu rechnen, da die Amerikaner dem Nachfragewegfall für ihre Staatsanleihen begegnen müssten.

An den Märkten wurden die Äußerungen als Aufruf zu einer stärkeren Diversifizierung der chinesischen Devisenreserven weg vom Dollar betrachtet und führten zu Dollarverkäufen. Daraufhin versuchte Cheng, seine Äußerungen herunterzuspielen. Er habe nicht sagen wollen, China solle verstärkt Euro kaufen, erklärte er. Die Verwaltung der chinesischen Devisenreserven obliegt allerdings der Notenbank People's Bank of China und der staatlichen Devisenbehörde, nicht dem standigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses.

Die Märkte ließen sich von der Relativierung wenig beindrucken und trieben den Euro am Mittwochvormittag in der Spitze bis auf 1,4703 Dollar - ein neuer Rekord. „Auch wenn er zurückgerudert ist, der Markt nimmt diese Äußerungen offenbar sehr ernst“, sagte ein Händler in Frankfurt. Er ging von weiteren Kursgewinnen des Euro aus. „Ich habe das Gefühl, dass es im Verlauf weiter nach oben geht“, sagte der Händler. „Inzwischen geben sich die Leute dem Aufwärtstrend geschlagen, es versucht kaum noch jemand dagegen zu halten. Keiner will den Anschluss verpassen.“

Anhaltende Belastungsfaktoren für den Dollar blieben die Sorgen über Verluste von US-Finanzkonzernen wegen der Kreditkrise und Spekulationen über eine weitere Zinssenkung. „Nun stellt sich die Frage, ob die Fed mit den wieder aufkommenden Zinsfantasien einverstanden ist, oder ob sie diesen einen erneuten Dämpfer verpassen wird“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Vor diesem Hintergrund würden die Reden verschiedener Vertreter der US-Notenbank (Fed) am Abend sowie eine Anhörung von Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress am Donnerstag mit besonderer Spannung erwartet. Bislang hat die US-Notenbank in Reaktion auf die Kreditkrise den Leitzins um insgesamt 75 Basispunkte gesenkt.

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