Devisenreserven
China schmilzt Dollar-Reserven ab

Das Reich der Mitte hält die größten Devisenreserven der Welt, die zum größten Teil in US-Staatsanleihen investiert sind. Doch die Dollar-Papiere sind den Chinesen suspekt geworden - sie schichten in andere Anlagen um.
  • 1

PekingDer chinesische Staat hat im vergangenen Jahr erstmals seine Bestände an amerikanischen Staatsanleihen abgebaut. Nach Zahlen des US-Finanzministeriums besaß China Ende Dezember US-Schuldpapiere im Wert von 1,15 Billionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,2 Billionen Dollar. Experten sehen darin den Beginn eines Trends zum Abbau der Reserven, deren Höhe Peking zunehmend als Risiko empfindet.

Von 2007 bis Mitte vergangenen Jahres hatten sich die chinesischen Bestände an Dollar-Investments verdoppelt. Wenn eine Zentralbank große Summen sicher anlegen will, kauft sie meist Staatsanleihen. Amerikanische Papiere gelten hier nach wie vor als gute Möglichkeit der Geldanlage: Sie sind sehr liquide, und ein Zahlungsausfall der USA ist praktisch nicht zu erwarten.

Doch infolge der Krise liegt die Verzinsung der Papiere sehr niedrig. Dazu kommt, dass China befürchtet, dass die USA sich ihrer Schulden mittelfristig durch Inflation entledigen. Beides zusammen bedeutet, dass die so genannten Treasuries zwar dem Namen nach sicher sind, von der Kaufkraft her aber an Wert verlieren könnten.

China schichtet daher bereits seit Jahren systematisch in andere Anlageformen um. Über einen Staatsfonds, die China Investment Corporation (CIC) investiert das Land beispielsweise in Aktien und Direktbeteiligungen an Firmen. Auch Geldanlagen im japanischen oder koreanischen Währungsraum hat das Land ausgebaut. "Diversifizierung ist zum Grundprinzip geworden", sagt Ökonom Yu Yongding von der Chinese Academy of Social Scienes (CASS). "Ich glaube nicht, dass US-Treasuries mittel- bis langfristig sicher sind."

Auch europäische Papiere sind gefragt und machen bereits geschätzte 35 Prozent des chinesischen Devisenschatzes aus. Doch China legt das Volksvermögen nur in Anleihen höchster Bonität an - beispielsweise in deutsche Staatsanleihen. Falls der Euro auseinanderbricht, behalten sie auch in der neuen Währung ihren Wert.

Weniger gefragt sind dagegen Anleihen südoeuropäischer Krisenstaaten oder die Emissionen der Rettungsfonds ESFS und ESM. Hier will sich China lieber zusammen mit anderen Schwellenländern über Mechanismen des Internationalen Währungsfonds engagieren.

Chinas große Devisenreserven kommen von Exportüberschüssen her, die sich wegen Devisenkontrollen nicht durch höheren Wechselkursen ausgleichen. Peking plant deshalb auch, auf einen ausgeglicheneren Handel hinzuarbeiten und künftig mehr ausländische Waren für den Verbrauch im Inland einzuführen. Auch das dient dem Abbau der Reserven.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Devisenreserven: China schmilzt Dollar-Reserven ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro)."? Das stimmt nicht. S. z. B.: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2001rank.html?countryName=China&countryCode=ch®ionCode=eas&rank=3#ch

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%