Devisenschwankungen
Unternehmen: Währungschaos wird zum Lotteriespiel

Die Verwerfungen an den Devisenmärkten setzen Investoren und Unternehmen zu. Besonders die Exportwirtschaft leidet unter den starken Schwankungen. Ein vermeintlicher Gewinn kann nach der Umrechnung in die Heimatwährung schnell dahin schmelzen.Wie sich Unternehmen auf das Währungschaos einstellen.

FRANKFURT. "Wir erleben derzeit einen gewaltigen Umbruch. Wann sich die Märkte wieder beruhigen, lässt sich nicht abschätzen", sagt Stefan Bender, Leiter des Devisenhandels der Deutschen Bank.

Die Unwägbarkeiten schlagen bereits voll auf die Unternehmensbilanzen durch. Rund ein Drittel von knapp 600 Firmen, die in den vergangenen Wochen ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, mussten laut Datenanbieter Bloomberg kräftige Wechselkursverluste verbuchen. Vor einem Jahr noch legte lediglich jedes fünfte Unternehmen bei der großen Währungslotterie drauf.

In dieser Situation gewinnen Strategien an Bedeutung, die Sicherheit vor unberechbaren Wechselkurseffekten versprechen. Das einfachste Instrument zur Absicherung gegen extreme Ausschläge sind klassische Termingeschäfte. Damit lässt sich ein Wechselkurs zu einem bestimmten Termin in der Zukunft festlegen. Zum Laufzeitende wird das Geschäft zum fixen Kurs abgewickelt, egal wie sich die Währungen in der Zwischenzeit tatsächlich entwickelt haben. Ein Unternehmer kann damit im Voraus planen, was auf ihn zukommen wird. Das Ganze hat allerdings einen Haken: Wenn das Unternehmen etwa ein Termingeschäft zu einem fixen Kurs von 1,45 Dollar je Euro abschließt, der Kurs anschließend auf 1,20 Dollar abstürzt, würde es bares Geld verschenken. Das gut gemeinte Absicherungsgeschäft brächte sogar Verluste ein. Ein Termingeschäft ergibt nur dann Sinn, wenn man in etwa abschätzen kann, in welche Richtung die Kurse tendieren.

Doch das ist derzeit genau das Problem. Der Euro schwankte zuletzt so stark wie noch nie in seiner zehnjährigen Geschichte. Selbst für Experten ist kaum noch vorherzusagen, wie sich der Kurs entwickeln wird. Die Schätzungen der Analyseabteilungen der Banken gehen weit auseinander. Die Deutsche Bank sieht den Euro in einem Jahr auf einem Niveau von 1,20 Dollar. Ganz anders beurteilen Goldman Sachs oder Barclays die Lage, nach deren Prognose kostet der Euro in einem Jahr 1,45 Dollar. "Die klassische Absicherung über Termingeschäfte reicht in Tagen wie diesen nicht mehr aus", sagt Bender.

Banken bieten ihren Firmenkunden deshalb immer häufiger komplexe Optionsgeschäfte an, um sich gegen das Chaos auf den Devisenmärkten zu wappnen. Wenn es gut läuft, können die Unternehmen sogar von den Schwankungen profitieren. Zur Freude der Banken sind die Unternehmen bereit, mehr Geld für ihre Sicherungsgeschäfte auf den Tisch zu legen. Mit Kosten von fünf bis sieben Prozent der abzusichernden Summe müssen Firmen rechnen. "Nach dem, was im letzten Jahr passiert ist, steht nun mehr auf dem Spiel", sagt Tim Graf, Devisenstratege bei Credit Suisse. Das rechtfertige die Prämien.

Seite 1:

Unternehmen: Währungschaos wird zum Lotteriespiel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%