Devisenspekulationen
„Die Leute hingen daran wie an Drogen“

Das Geschäft mit Währungen galt lange Zeit als äußerst lukrativ für Investoren. Doch die Stimmung hat gedreht, Devisenspekulationen sind aus der Mode. Und dafür gibt es gute Gründe.
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LondonDer Devisenmarkt, an dem täglich vier Billionen Dollar den Besitzer wechseln, verliert das Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbanken, eine schwächelnde Weltwirtschaft anzukurbeln. Die Devisen-Spekulationen nehmen ab: Der JPMorgan Chase & Co. G7 Volatility Index ist auf ein Fünf-Jahres-Tief gesunken und der UBS V24 Carry Index der UBS, der die Gewinne aus den so genannten Carry-Trades abbildet, rutschte auf das niedrigste Niveau seit 2001 ab.

“Warten ist derzeit keine schlechte Strategie”, sagt Mauricio Bouabci, Devisenfondsmanager bei Pareto Investment Management Ltd. in London. Nur bei einer höheren Volatilität wäre er versucht, wieder in den Markt zu kommen, fügte er an.

In den USA stehen im kommenden Jahr vorgeschriebene Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von 600 Mrd. Dollar an, falls sich der Kongress nicht noch auf Maßnahmen zum Abbau des Haushaltsdefizits einigen kann. In Bezug auf Europa halten die Sorgen an, dass die Politiker nicht schnell genug handeln, um die Schuldenkrise der Eurozone zu bewältigen.

Zudem belastet nachlassendes Wachstum in Schwellenländern wie China und Brasilien die Stimmung. Nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds wird die Weltwirtschaft dieses Jahr um 3,3 Prozent wachsen - so wenig seit der Rezession von 2009 nicht mehr. Darüber hinaus sieht der IWF nun ein “alarmierend hohes” Risiko eines stärkeren weltweiten Konjunkturabschwungs mit einem möglichen Absinken des Wachstums auf unter zwei Prozent.

“Die niedrige Volatilität ist etwas, womit sich die Marktteilnehmer schon seit einiger Zeit nicht wohlfühlen”, sagte Adrian McGowan, Leiter Devisenhandel, Optionen und Terminkontrakte bei Barclays in London in einem Interview mit Bloomberg News. Die Investoren seien keine “großen” Wetten eingegangen, weil es so viele Unsicherheiten gebe, ergänzte er.

Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen im Devisenmarkt lag im September um 39 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das geht aus Daten der Handelsplattform EBS von ICAP hervor. Auch das erschwert es den Managern von Devisenanlagen, die Erträge zu steigern. Die Zentralbanken von Australien bis Schweden, die so lange ihre Volkswirtschaften expandierten und die Zinsen relativ hoch gehalten hatten, sind zu Zinssenkungen übergegangen. Das mindert die Attraktivität für Carry-Trades.

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  • Die Gleichsetzung von "Carry Trades" und Devisenhandel ist irreführend. "Carry Trades" ist das gezielte Ausnutzen von unterschiedlichen Leitzinssätzen in verschiedenen Ländern. Der Devisenhandel ist - wie der Name schon sagt - der Handel mit Währungen.
    Der Artikel macht sehr gut deutlich, warum wir auch weiterhin Qualitätsjournalismus brauchen und welcher Murks dabei rauskommt, wenn man "blind" bzw. automatisiert Texte einer Nachrichtenagentur übernimmt.

  • Super, wer hat denn da wieder gepennt? Oben in dem Kasten mit dem Titel "Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können", wird unter "Direkthandel" noch fröhlich auf die FX Direkt verwiesen.
    So, als hätte es die beiden Artikel des Handelsblattes vom 14. und vom 21. Oktober zu FX Direkt nie gegeben.

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