Devisenstrategie
Experten erwarten Comeback des Dollars

Der Dollar kommt nicht auf die Beine. Seit März hat er kräftig an Wert verloren, zuletzt rutschte er auf ein Jahrestief. Experten rechnen allerdings durch die Bank mit einer Wende am Devisenmarkt. Die Begründungen variieren stark, zum Teil erscheinen sie sogar widersprüchlich.

DÜSSELDORF. Die neu gewonnene Risikolust der Investoren an den internationalen Märkten lastet auf dem Dollar. Die US-Währung hält sich seit Tagen im Bereich knapp unter 1,45 Dollar. So billig war der Dollar nicht mehr seit Dezember letzten Jahres. Seit Anfang März, als Aktien und zahlreiche andere Anlageklassen ihre Erholungsbewegung starteten, hat der Dollar im Vergleich zum Euro um fast 20 Cent abgewertet. Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenbacks zu einem Korb mit den sechs wichtigsten Währungen der Welt misst, hat seither 13,5 Prozent von knapp 90 auf 77,5 Punkte nachgegeben.

Schon werden Stimmen laut, die dem Dollar einen kontinuierlichen Bedeutungsverlust vorhersagen. So wie die von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. In einem Interview mit dem "Manager Magazin" sagte er jüngst voraus, dass der Dollar zwar "seine herausgehobene Rolle vermutlich behalten" werde, allerdings "mit verringerter Bedeutung". Vorstöße aus großen Schwellenländern wie China und Russland, die eine neue Welt-Leitwährung forderten, gehen in die gleiche Richtung.

Analysten sehen allerdings zurzeit keinen Anlass, an der Rolle des Dollars zu zweifeln. Ulrich Leuchtmann, Devisenstratege der Commerzbank, hält die Debatte um die Welt-Reservewährung für eine "Phantomdiskussion". "Es existiert kein Welt-Währungssystem, welches von irgendeinem G20- oder G8-Gipfel reformiert werden könnte", schreibt er in einer aktuellen Analyse. Wenn Chinas Behörden wirklich die Dollar-Bestände im Reserveportfolio reduzieren wollten, könnten sie dies jederzeit tun. Daten des US-Finanzministeriums zeigten allerdings, dass das Gegenteil der Fall sei. Die Summe der von China gehaltenen US-Staatsanleihen sei während der Krise deutlich gestiegen.

Die Bestände, die internationale Investoren in Dollar-Anlagen halten, sind hingegen in den vergangenen Monaten geschrumpft. Wurden zu Hochzeiten der Krise gewaltige Summen in den Dollar-Raum transferiert, weil die US-Währung traditionell als "sicherer Hafen" gilt, floss zuletzt in Folge der steigenden Risikobereitschaft Liquidität in andere Anlagen wie Rohstoffe oder Schwellenländeraktien. Im kräftigen Kursverlust des Dollars drückt sich das aus.

Nach Meinung der meisten Experten dürfte die Dollar-Talfahrt aber bald enden. Die UBS erwartet in drei Monaten einen Euro-Dollar-Kurs von 1,30 Dollar. Die Deutsche Bank rechnet für diesen Zeitraum mit einer Korrektur auf 1,33 Dollar je Euro, in zwölf Monaten hält sie einen Kurs von 1,21 Dollar für realistisch. Auch die Commerzbank und BNP Paribas sagen eine Erholung des Dollars voraus.

Die Begründungen der Fachleute variieren stark. Zum Teil scheinen sie sich sogar zu widersprechen: Einige Banken sehen den Dollar als Profiteur einer anziehenden Konjunktur, andere bevorzugen ihn hingegen gerade deshalb, weil sie dem wachsenden Konjunkturoptimismus nicht trauen.

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