Die Abhängigkeit von den Opec-Ländern wird eher zu- als abnehmen
Analyse: Am Öltropf

Streiften die Rohölnotierungen Ende der 90er-Jahre noch die Marke von zehn Dollar, so sind in diesem Sommer Rekordpreise im Bereich von 75 Dollar je Barrel registriert worden. Sollte es im Verlauf des Libanon-Konflikts zu einer Eskalation kommen, ist eine Verteuerung auf 90 Dollar und mehr wahrscheinlich.

Und sollten die Lieferungen aus Förderländern am Persischen Golf gar unterbrochen werden, dann könnte auch die Marke von 100 Dollar geknackt werden. Inflationsbereinigt würden Notierungen zwischen 90 und 100 Dollar aber immer noch erst den realen Spitzenwerten vor 25 Jahren entsprechen.

Experten rechnen sowohl aus politischen als auch aus fundamentalen Gründen vorerst mit anhaltend hohen Ölpreisen. Dabei muss aber zunächst ein Vorurteil ausgeräumt werden. Öl ist zwar knapp geworden, aber der Welt geht das Öl nicht aus. Denn Innovationen ermöglichen den Aufschluss dieses Energieträgers in immer tieferen Meeresschichten sowie in den Polarregionen. Zudem werden die Ausbeuteraten schon erschlossener Felder auf breiter Basis erhöht. Nicht zuletzt: Die Rekordpreise lassen die Gewinnung von Schwerstölen, Teersänden und Ölschiefer wirtschaftlich gestalten.

Diese Umstellungsprozesse sind allerdings zeit- und kapitalaufwendig. Deshalb fällt die Investitionsoffensive trotz der Rekordpreise eher bescheiden aus. Die führenden Ölkonzerne planen vorsichtig und legen den Investitionsaktivitäten ein Wirtschaftlichkeitskalkül zu Grunde, das ihre Entscheidungen auch noch bei Rohölnotierungen im Bereich von 25 bis 30 Dollar gerechtfertigt erscheinen lassen.

Rex Tillerson, Chef der globalen Nummer eins Exxon Mobil, verteidigt die konservative Investitionspolitik mit dem Argument, das Ölgeschäft sei zyklisch, und die Preise würden auch wieder fallen. Engpässe entstehen nicht zuletzt auch deshalb, weil es an Fachpersonal mangelt und die Erweiterungsspielräume der Ölzulieferindustrie kurzfristig begrenzt sind. Ferner befinden sich die schnell und kostengünstig zu erschließenden Ölvorräte überwiegend in der Hand staatlich kontrollierter Unternehmen, deren Investitionsneigung ebenfalls relativ gering ist.

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