Die EZB und der Euro
Auch Goldman-Banker können irren

Nachdem Mario Draghi die Börsianer herbe enttäuscht hatte, schoss der Euro ganze drei Prozent nach oben. Ein solches Ausmaß überraschte nicht nur Anleger, sondern lieferte auch viel Hohn für einen renommierten Experten.

DüsseldorfWenn ein Experte von Goldman Sachs plötzlich kleinlaut wird, muss etwas besonderes passiert sein. Wenn ein Experte von Goldman Sachs einen Fehler öffentlich zugibt und seine gesamte Prognose revidiert, dann aber muss wahrlich Unvorhergesehenes vorgefallen sein. So gestern geschehen.

Keine 24 Stunden nachdem Robin Brooks, immerhin Chef-Währungsstratege bei Goldman Sachs, im Vorgriff auf die EZB-Ratssitzung einen „Angriff der Tauben“ und eine Drei-Prozent-Talfahrt für den Euro vorausgesehen hatte, sah sich der Ökonom gezwungen, seine These zu widerrufen. Brooks hatte auf eine Ausdehnung der Programme der Euro-Währungshüter spekuliert, darauf, dass Draghi sich „stark präsentieren“ werde. Im Grunde sollte er recht behalten – und doch kam es anders.

Zwar kündigte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der monatlichen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Inflation und Konjunktur im Euro-Raum an, allem voran eine Ausdehnung des monatlichen Anleihekaufprogramms bis März 2017.

Doch den Anlegern ging das nicht weit genug. Angestachelt von den vielen Beteuerungen des EZB-Präsidenten, alles zu tun, seine geldpolitischen Ziele zu erreichen, hatten die Marktteilnehmer mit einem deutlich aggressiveren Kurs gerechnet.

Am Ende hatte sich Robin Brooks wenigstens nicht mit der Zahl geirrt: drei Prozent. Doch leider griff er beim Vorzeichen daneben. Als Reaktion auf die Enttäuschung der Börsianer auf den EZB-Entscheid schoss der Euro ganze 3,1 Prozent in die Höhe und kam auf 1,0940 Dollar.

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„Das war heut wahrlich nicht mein schönster Tag“

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