Die Golfstaaten debattieren über Chinas Geldpolitik
Der Euro gewinnt in der Region gegen den Dollar

In den arabischen Golfstaaten zeichnet sich eine Umschichtung der Währungsreserven ab. Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) entscheidet bis Ende September, ob sie einen Teil der Reserven von Dollar in Euro wechselt. Dem Vernehmen nach könnte sie künftig fünf Prozent der Währungsreserven in Euro halten.

hn/rp DUBAI/DÜSSELDORF. Die neue Koppelung des Außenwertes des chinesischen Yuans hat in den ölreichen Golfländern eine Debatte über die künftige Ausrichtung ihrer Währungspolitik ausgelöst. So wird in Kuwait und Saudi-Arabien darüber diskutiert, die Währungen nach dem Vorbild Chinas an einem Währungskorb oder am Euro auszurichten. Ausgelöst wurden die Diskussionen Mitte Juli durch ein Zeitungsinterview des Vize-Gouverneurs der saudi-arabischen Währungsbehörde (Sama), Muhammad Al-Jasser.

„Wir müssen uns entscheiden, ob wir unsere Währung weiterhin am Dollar ausrichten oder ob wir eine andere Politik einschlagen wollen“, zitierte die „Times“ Al-Jasser. Saudi-Arabien und die meisten der Nachbarstaaten binden ihre Währungen seit Jahren an den Dollar. „Das Beispiel Chinas, seine Währung von der einseitigen Bindung an den Dollar zu lösen, könnte Schule machen“, schätzt auch Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch.

Die Golfländer könnten künftig eine flexiblere Geldpolitik anstreben, auch um den derzeitigen Wirtschaftsboom und den damit einhergehenden inflationären Druck in den Griff zu bekommen, meint der Chefökonom von Standard Chartered in Dubai, Daniel Hanna. Weil der schwache Dollar die Einfuhren in die Golfländer verteuert, ist Inflation am Golf wieder ein Thema und könnte die Diskussion über die Wechselkurspolitik beeinflussen.

Doch Hanna warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen. So prüfe die Sama derzeit nur, ob sie die Abhängigkeit vom Dollar diversifizieren und andere Währungen stärker berücksichtigen werde, darunter den Euro und den Schweizer Franken. Bahrain hat denn auch bereits Gerüchte dementiert, wonach der Dinar nicht mehr an den Dollar gebunden werde. Hanna erwartet aber nicht, dass eine Neuausrichtung der Währungspolitik nach dem chinesischen Vorbild vor dem Jahr 2010 erfolgen wird. Zu diesen Zeitpunkt wollen die Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC) ihre Währungen vereinheitlichen. Dem GCC gehören Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an. Die Länder kontrollieren über die Hälfte der weltweiten Ölreserven.

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